| Sabine: | Heute ist Donnerstag, der 30. Juli 2026. Willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! |
| Hanna: | Hallo liebe Hörerinnen und Hörer! |
| Sabine: | Im ersten Teil unseres Programms geht es wie immer um aktuelle Ereignisse. Unser erstes Thema ist das neue Sanktionspaket der EU gegen Russland. Diesmal haben die Sanktionen einen anderen Schwerpunkt. Sie haben nicht mehr nur das Ende des Krieges in der Ukraine zum Ziel, sondern auch die langfristige Sicherheit in Europa. Danach sprechen wir über einen Artikel, der diese Woche in The Economist erschienen ist. Die Autoren diskutieren Brasiliens weltweit strengste Gesetze gegen rassistische Äußerungen. Sie stellen aber auch die Frage, ob diese Gesetze die tiefgreifenden sozialen Ungleichheiten im Land wirklich beseitigen. In unserem Wissenschaftsteil beschäftigen wir uns mit einer Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass ein längeres Leben nicht automatisch ein gesünderes Leben bedeutet. Die Studie zeigt, dass die weltweite Lebenserwartung auf 73,8 Jahre gestiegen ist, die Menschen jedoch einen großen Teil dieser zusätzlichen Lebensjahre in schlechter Gesundheit verbringen. Und wir beenden den ersten Teil des Programms mit einer Diskussion über den ersten Michelin-Weingutführer, der gerade erschienen ist. Michelin ist normalerweise bekannt für Restaurantbewertungen. Wie zu erwarten, gab es einige Kontroversen um diesen Schritt. |
| Hanna: | Was kann denn an einem Weingutführer kontrovers sein? Vor allem, wenn er von einer so renommierten Quelle wie Michelin stammt? Sabine, vertraust du den Restaurantbewertungen von Michelin? |
| Sabine: | Ja, das tue ich schon. Zumindest vertraue ich ihnen mehr als den Restaurantbewertungen auf Social Media. |
| Hanna: | Na bitte. Und warum soll es mit dem Weingutführer dann anders sein? |
| Sabine: | Darüber sprechen wir gleich noch ausführlicher. Jetzt machen wir erst mal mit den Ankündigungen weiter. Worüber werden wir heute im zweiten Teil des Programms sprechen? |
| Hanna: | Der Rest des Programms ist der deutschen Sprache und Kultur gewidmet. Die heutige Grammatiklektion konzentriert sich auf Adverbs of Place — Part 2. In Deutschland sind momentan kurze, prägnante und international verständliche Vornamen in Mode. Doch es gibt immer wieder Ausnahmen, wo entschieden werden muss, ob der gewählte Name zulässig ist. Denn es gibt bestimmte Regeln bei der Namensgebung, auch um das Kind zu schützen. Jens Spahn musste von seinem Amt als Bundestagspräsident zurücktreten, weil er und sein Ehemann im Ausland mit Hilfe einer Leihmutter Väter geworden waren. Leihmutterschaft ist in Deutschland illegal und wurde selbst von Jens Spahn bisher öffentlich aus moralischen Gründen abgelehnt. Deshalb wurden ihm von seiner Partei Löcher in den Bauch gefragt. Und genau das ist unsere Redewendung diese Woche: Löcher in den Bauch fragen. |
| Sabine: | Sehr gut. Na dann, los geht‘s! |
Die Europäische Union hat ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet. Es richtet sich gezielt gegen den militärisch-industriellen Komplex Russlands. Die neuen Maßnahmen richten sich gegen 56 Organisationen und Personen, die an der Produktion der russischen Langstrecken-Drohnen vom Typ Garpiya und des Satellitenkommunikationsnetzwerks Rassvet beteiligt sind – Russlands Antwort auf Starlink.
EU-Vertreter betonen, dass diese Sanktionen das Ziel haben, Russland zur Beendigung des Krieges in der Ukraine und zur Einstellung der Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine zu zwingen. Die Sanktionen umfassen das gesamte Produktions- und Lieferantennetzwerk der Garpiya-Drohnen.
Experten begrüßen diesen Fokus. Sie warnen jedoch, dass die Ausschaltung eines einzigen Drohnentyps das Kriegsgeschehen wahrscheinlich nicht wesentlich beeinflussen wird, da Russland über ein breites Arsenal verfügt. Eine Verlangsamung der Entwicklung des russischen Satellitensystems könnte der Ukraine und der Sicherheit Europas jedoch langfristig zugutekommen.
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Am 27. Juli veröffentlichte The Economist einen Artikel über rassistische Hassreden in Brasilien. Der Zeitschrift zufolge hat Brasilien die weltweit strengsten Gesetze gegen rassistische Äußerungen. Diese Gesetze zielen darauf ab, die tief verwurzelte Geschichte der rassistischen Ungleichheiten im Land zu bewältigen. 2021 entschied der Oberste Gerichtshof Brasiliens, dass rassistische Beleidigungen gegen Einzelpersonen mit Rassismus gegen ganze Gruppen gleichzusetzen sind.
Der Gerichtshof stufte solche Handlungen als Straftaten ohne Verjährungsfrist ein. Zu den Strafen gehören Gefängnisstrafen und hohe Geldbußen. Die Zahl der Strafverfahren wegen rassistischer Äußerungen hat sich verzehnfacht – derzeit sitzen über 1.000 Menschen deshalb im Gefängnis. Befürworter argumentieren, dass diese Strafverfahren das Bewusstsein schärfen und signalisieren, dass Rassismus inakzeptabel ist.
Kritiker bezweifeln jedoch, dass diese Maßnahmen wirklich wirksam gegen rassistische Ungleichheiten sind. Weiße Brasilianer verdienen noch immer doppelt so viel wie schwarze Brasilianer. Analysten sehen Mängel im brasilianischen öffentlichen Bildungssystem als Hauptursache für die Ungleichheit an und nicht Has
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Eine neue Studie in der August-Ausgabe von The Lancet Public Health zeigt, dass die weltweite Lebenserwartung auf 73,8 Jahre gestiegen ist. Die Menschen leben länger, verbringen aber einen großen Teil dieser zusätzlichen Lebenszeit in schlechter Gesundheit. Die groß angelegte Analyse von Daten aus 204 Ländern belegt, dass Menschen heute durchschnittlich 14,5 % ihres Lebens in schlechter Gesundheit verbringen.
In wohlhabenderen Ländern ist diese Diskrepanz mit 15,7 % noch dramatischer. Insbesondere in Ländern wie den USA, Australien und Kanada sind große Unterschiede zwischen der Lebenserwartung generell und der gesunden Lebenszeit zu beobachten. Für den Großteil dieser Diskrepanz sind Erkrankungen verantwortlich, die nicht zum Tod führen, wie chronische Rückenschmerzen, psychische Störungen und altersbedingte Beschwerden.
In einkommensstarken Ländern zählen Drogenkonsum und starker Alkoholkonsum zu den größten Risikofaktoren. In Subsahara-Afrika hingegen ist ungeschützter Sex ein Hauptfaktor. Die Studie identifizierte weitere Risikofaktoren, darunter einen hohen Body-Mass-Index, Unterernährung bei Kindern und Müttern, Tabakkonsum, hohe Nüchternblutzucker-Werte und Luftverschmutzung.
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Michelin, bekannt für seine Restaurantbewertungen, hat seinen ersten Weingutführer herausgebracht. Michelin ehrt nun exzellente Winzerkunst mit einer, zwei oder drei Michelin-„Trauben". Den Start machte das Burgund, eine der berühmtesten Weinregionen der Welt. Dieser neue Führer unterscheidet sich von traditionellen Weinbewertungen. In die Bewertung fließt ein, wie der Wein angebaut und verarbeitet wird, ob er einen regionalen Charakter hat und wie konstant die Qualität über die Wein-Jahrgänge hinweg ist.
Michelins Vorstoß in die Welt des Weins verlief jedoch nicht ohne Kontroversen. Kurz nach der Veröffentlichung des Weingutführers lehnte ein renommiertes Weingut aus dem Burgund seine Bewertung öffentlich ab und forderte, aus dem Führer entfernt zu werden. Das Weingut kritisierte die Bewertungsverfahren und erklärte, es habe keine Zustimmung zur Aufnahme in den Führer erteilt. Das hat Fragen zu den Bewertungsmethoden des Weingutführers aufgeworfen.
Einige Weinproduzenten sehen den Zeitpunkt der Einführung des neuen Michelin-Führers jedoch als günstig an. Die französische Weinbranche hat mit Überproduktion, sinkenden Preisen und nachlassender Nachfrage zu kämpfen. Die Krise hat viele
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Vornamen in Deutschland
| Sabine: | Überall auf der Welt werden Menschen durch ihre Namen identifiziert. Diese werden ihnen normalerweise kurz nach der Geburt gegeben. Für die Namensgebung gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Regeln. Auch in Deutschland ist gesetzlich geregelt, welche Vornamen man einem Kind geben darf. Allerdings ist die Lage hier nicht so eindeutig, wie man vielleicht vermuten würde. |
| Hanna: | Und das, obwohl es wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt so viele Regeln gibt wie in Deutschland. |
| Sabine: | Also, es ist ja nicht so, dass man seinem Kind in Deutschland irgendeinen Namen geben darf. Gewisse Regeln gibt es schon. |
| Hanna: | Was gibt es denn für Regeln? |
| Sabine: | Also erstmal muss ein Vorname auch als solcher erkennbar sein. Namen wie Pfefferminze, Borussia oder Blitz wurden abgelehnt. Auch Ortsnamen oder Markennamen sind unzulässig. |
| Hanna: | Irgendwo sind doch Namen wie Paris, London oder Brooklyn beliebt. Ich glaube, das war in den USA. |
| Sabine: | Stimmt, dort gibt es allerdings auch ein sehr offenes Namensrecht mit so wenigen Regeln wie fast nirgendwo sonst. |
| Hanna: | Wer darf denn einen Namen in Deutschland ablehnen? Anscheinend gibt es ja nirgendwo eine Liste mit Namen, aus denen man einen passenden aussucht. Dann wäre die Sache ja eindeutig. |
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I. Theory
Adverbs of place are used to show the location where an action has taken place, is taking place, or will take place. Examples of adverbs of place in English are: “outside,” “above,” and “here.”| Man kann Currywurst überall in Deutschland finden. One can find currywurst everywhere in Germany. Nirgendwo in der Stadt kann ich Arbeit finden. Nowhere in the city can I find work. Die Katze ist irgendwo im Haus. The cat is somewhere in the house. |
II. Adverbs of Place
This lesson will focus on four adverbs of place: irgendwo, nirgendwo, überall and weg. In terms of word order, adverbs of place are often found either after time and manner information, or at the beginning of the sentence if they are stressed.IrgendwoHast du meinen Bruder irgendwo gesehen?Have you seen my brother anywhere? Ich habe mein Handy irgendwo in meinem Zimmer gelassen. I left my phone somewhere in my room. NirgendwoDiese Pflanze gibt es nirgendwo anders in der Welt.This plant is found nowhere else on earth. Das Zitat steht nirgendwo im Text. The citation is nowhere in the text. ÜberallIm Sommer gibt es überall Fliegen.In summer the flies are everywhere. Ich habe überall gesucht und kann die Schlüssel nicht finden. I have looked everywhere and can’t find the keys. WegMeine Eltern wohnen weit weg.My parents live far away. Weg von der Straße! Away from the street! |
Skandal um Leihmutterschaft – Jens Spahn tritt zurück
| Hanna: | Der Druck war letztendlich einfach zu groß. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn musste vorletzte Woche von seinem Amt zurücktreten. Es hatte einen offenen Aufstand in der CDU darüber gegeben, dass Jens Spahn und sein Ehemann gegen geltendes deutsches Recht im Ausland eine Leihmutter in Anspruch genommen hatten, um Väter eines Kindes zu werden. Zunächst wurden ihm Löcher in den Bauch gefragt, und Jens Spahn konnte diese Fragen nicht wirklich beantworten. Spahn hatte schon etliche Skandale hinter sich. Das war wohl ein Skandal zu viel. |
| Sabine: | Na ja, es war einfach die Heuchelei. 2022 war Jens Spahn mit seiner Partei noch gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft eingetreten. Erst im Februar hat er im Bundestag noch laut geklatscht, als die CDU ihr Nein zur Leihmutterschaft bekräftigte und noch einmal verschärfte. |
| Hanna: | Zu dem Zeitpunkt muss seine Leihmutter schon vier Monate schwanger gewesen sein. Ich will hier kein Blatt vor den Mund nehmen, das war einfach unverschämt. |
| Sabine: | Ja, das sah die Öffentlichkeit auch so. Es war der Eindruck entstanden, dass er Regeln für das Land aufstellt, an die er sich selbst – als Teil der Elite – nicht halten muss. |
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Die Redewendung ist umgangssprachlich und der Ursprung der Redensart wird im Mittelalter vermutet, in der Zeit der Inquisition, wo die Folter von angeblichen Hexen und Ketzern alltäglich war. Oder vielleicht stammt sie auch aus dem 30jährigen Krieg, als die Schweden eine Methode entwickelt hatten, bei der ein glühender Vierkant Rede-Unwilligen beim Verhör langsam in den Bauch gedreht wurde.
Kinder sind meistens diejenigen, die uns mit ihrem Wissensdurst ein Loch in den Bauch fragen. Wenn man versucht, eine Frage zu beantworten, kommen immer wieder neue. Ein Ende ist nicht in Sicht, als ob man ein Bierfass angestochen hätte, aus dem endlos viele Fragen heraussprudeln.
Man kann in Thomas Murners (1475-1537) Schelmenzunft aus dem Jahre 1512 lesen: „Eyn loch durch brieff reden“, dabei ist ein Jurist mit derbem Mund abgebildet, der auf einen durchlöcherten Brief in seinen Händen gerichtet ist.
Die wortwörtliche Übersetzung von Löcher in den Bauch fragen ist to ask holes in the stomach. Auf Englisch würde man vielleicht “to bombard someone with questions” oder “to ask endless questions” verwenden.
Beispiel 1:
Nach der Aufführung konnte man den Schauspielern hinter der Bühne Löcher in den Bauch fragen.After the show people were able to bombard the actors with questions behind the stage.
Beispiel 2:
Endlich fanden wir die Antwort auf unsere Frage, nachdem wir uns dreimal mit Aide getroffen hatten, um ihr über die Maya und ihre Kultur Löcher in den Bauch zu fragen.At last we found the answer to our question, after meeting with Aide three times to ask her endless questions about the Maya and their culture.
| überall (3) | weg (2) | irgendwo (2) | nirgendwo (3) |
Katja: Ja! Wir haben eins auf einem Baum erspäht. Sie verbringen ihr ganzes Leben in den Bäumen, anders.
Stefan: Wusstest du, dass es in prähistorischer Zeit riesige Faultiere gab, die in Höhlen lebten?
Katja: Echt? Sie starben dann also aus und sind jetzt ?
Stefan: Ja, genau. Viele Tiere sind wegen der Abholzung ausgestorben. Viele von ihnen lebten auf Bäumen und anders.
Katja: Ja, das ist sehr traurig. Man sollte diese gefährdeten Tiere schützen.
Stefan: Da hast du recht. Es gibt schon Tierreservate in Afrika, damit diese Tiere weit
Katja: Ja, Wilderer sind ein großes Problem. Sie verkaufen Elfenbein und Pelze . Bald werden wir Tiere wie Nashörner
- In Portugal schneit es im Winter.
a - nirgendwo
b - weg - Wir haben Lust, irgendwohin weit fahren.
a - irgendwo
b - weg - Sie ließ die Flasche fallen und jetzt ist Wein auf dem Fußboden.
a - weg
b - überall - Es ist noch nicht Zeit für den Nachtisch! Hände vom Kuchen!
a - weg
b - überall - Gibt es in der Stadt einen Ort, wo man Schlittschuh laufen kann?
a - irgendwo
b - nirgendwo - Dieser Laden ist zu teuer. Lass uns anders hingehen.
a - überall
b - irgendwo - Es gibt nur eine Kopie von diesem Buch. Es existiert also anders.
a - nirgendwo
b - Irgendwo - Mein Chef ist diese Woche geschäftlich . Er kommt am Freitag zurück.
a - weg
b - nirgendwo - Wir hatten eine Autopanne und stecken jetzt hier im fest.
a - Irgendwo
b - Nirgendwo - Der Roman war im Land ein Erfolg.
a - weg
b - überall