| Jana: | Die Aufarbeitung der Zeit, in der Deutschland in Ost und West geteilt war, dauert immer noch an. Vieles wurde bereits geklärt, einiges ist aber noch nicht erforscht. Ein Mysterium, das seit der Wiedervereinigung immer wieder diskutiert wurde, war die Annahme, es habe in der DDR systematisch politisch motivierte Zwangsadoptionen durch das Regime gegeben. Dies wurde nun wissenschaftlich widerlegt. |
| Michael: | Was soll passiert sein? Zwangsadoptionen? |
| Jana: | Genau, dem SED-Regime wurde vorgeworfen, Neugeborene von unbequemen Bürgern einfach entführt und sie an linientreue Zeitgenossen mit unerfülltem Kinderwunsch vermittelt zu haben. |
| Michael: | Das ist ja eine heftige Anschuldigung. Was ist denn passiert, dass man so etwas angenommen hat? |
| Jana: | Ganz unbegründet war die Annahme ja nicht. Das SED-Regime hatte Menschen auf dem Kieker, die probiert hatten auszuwandern oder zu fliehen, und hat ihnen das Leben ziemlich unbequem gemacht. Aus diesem Unrechtsbefinden ist das Gerücht von vorgetäuschten Säuglingstoden entstanden. |
| Michael: | Ich verstehe. Es soll also Fälle gegeben haben, bei denen der Mutter ihr Neugeborenes unter dem Vorwand weggenommen wurde, es sei tot zur Welt gekommen, um es dann zur Adoption an staatstreue Familien freizugeben. |