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Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins MaulDon‘t look a gift horse in the mouth


Der deutsche Sanierungswahn

Michael: Ich habe heute gute Laune. Ein guter Freund von mir hat von einem entfernten Verwandten ein kleines Häuschen vererbt bekommen. Das ist zwar über 100 Jahre alt, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, wie ich immer sage. Wir gehen gleich feiern.
Jana: Hmm. Weiß dein Freund denn auch, was da mit so einer Erbschaft auf ihn zukommt?
Michael: Was meinst du?
Jana: Na ja, nach einem Freibetrag von 20.000 Euro zahlt jemand, der von einem entfernten Verwandten erbt, 30 bis 50 % Erbschaftssteuer, je nach Wert des Hauses.
Michael: Na gut. Und? Das ist zwar schon sehr happig, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Selbst wenn die Hälfte für die Steuer drauf geht, das Erbe wird ja wohl nicht null sein.
Jana: Da das Haus alt ist, wie du sagst, würde ich diesem geschenkten Gaul schon etwas tiefer ins Maul schauen. Ich nehme nicht an, dass dir und deinem Freund bewusst ist, dass er im Erbfall gesetzlich verpflichtet ist, das Haus zu sanieren. Das besagt das Gebäude-Energiegesetz von 2024.
Michael: Das höchst umstrittene Heizungsgesetz der Ampelregierung? Ich wusste nicht, dass das auch auf Erbfälle zutrifft.
Jana: Das tut es. Das Ziel der Regierung war die Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen, um die Klimaziele Deutschlands zu erreichen. Und es geht hier nicht nur um die Heizungen, die mindestens 65 % erneuerbare Energie nutzen müssen.

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Es sollte ein BMX-Rad sein, jetzt steht ein Mountain-Bike unter dem Weihnachtsbaum. Die Enttäuschung ist groß, aber man möchte auch nicht undankbar erscheinen, während einen die Eltern in freudiger Erwartung mustern: "Und, wie findest du es?"

Ziemlich cool, das Rad“, müht man sich ab, Dankbarkeit zu zeigen. Aber schon früh haben wir gelernt: „Einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul“. Das heißt, an einem Geschenk sollte man nicht herummäkeln. Auch wenn es schwer fällt.

Aber wer möchte einem echten Gaul überhaupt ins Maul schauen? Die Antwort ist: der Pferdekäufer. Hier hat die Redewendung ihren Ursprung. Denn entschließt sich jemand, ein Pferd zu kaufen, überprüft er das Alter des Vierbeiners am besten anhand des Pferde-Gebisses.

Pferde besitzen, wie auch wir Menschen, Schneidezähne und Backenzähne. Während sie mit den Schneidezähnen faserreiche Nahrung, zum Beispiel Gras, abbeißen, zermahlen sie mit den Backenzähnen das aufgenommene Futter. Dabei werden die Zähne im Laufe der Zeit immer weiter abgerieben. Der Grad der Abnutzung ist also ein Hinweis darauf, ob der Pferdeverkäufer bei der Altersangabe seines Tieres vielleicht etwas geschummelt hat.

Einem Pferd ins Maul zu sehen, das man geschenkt bekommt, wäre somit unhöflich. Das ursprünglich lateinische Sprichwort ist schon seit der Antike bekannt. Sophronius Eusebius Hieronymus (Kirchenvater, Gelehrter, Theologe, 347-419) gebrauchte es in der Einleitung seines Kommentars zum Epheserbrief des Paulus.

Der Ausdruck „Einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul“ bedeutet frei übersetzt “ Ein Geschenk sollte man nicht bemängeln oder kritisieren, sondern dankbar annehmen” oder besser "Don‘t look a gift horse in the mouth".

Beispiel 1:

Mein Bekannter hat mir sein altes Auto überlassen. Es hat zwar einige Mängel, aber soweit es mich betrifft, ist es ein geschenkter Gaul, und ich werde ihm nicht ins Maul schauen.
A friend gave me his old car. It has some issues, but as far as I am concerned, it is a gift horse and I do not look a gift horse in the mouth.

Beispiel 2:

Auch wenn ein altes Sprichwort „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ lautet, sollten Sie bei Reisegewinnen äußerst misstrauisch sein und sich folgende Frage stellen und Vorkehrungen treffen: Habe ich mich überhaupt an einem Gewinnspiel beteiligt?
Although there’s an old saying, "you do not look a gift horse in the mouth", you should be extremely weary of special, low-priced travel deals. Be careful, and ask yourself: Is this too good to be true?