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Jemandem ein X für ein U vormachen


Die größten deutschen Wirtschaftsskandale

Michael: Einer der Kronzeugen in der Cum-Ex-Affäre, Kai-Uwe Steck, ist gerade zu einem Jahr und 10 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Verurteilte für einen Schaden von einer halben Milliarde Euro für den deutschen Fiskus mitverantwortlich ist.
Jana: Ach, das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zwischen 2005 und 2011 machten Banken und Aktionäre dem deutschen Staat ein X für ein U vor. Sie verwirrten den deutschen Fiskus so sehr, dass sie am Ende Kapitalsteuer erstattet bekamen, die sie nie bezahlt hatten. Es handelt sich um den größten Steuerbetrug in der Geschichte Deutschlands.
Michael: Von dem wir wissen ...
Jana: Von dem wir wissen. Man geht von einem Schaden von mindestens 32 Milliarden Euro aus.
Michael: Das muss ja eine riesige Verschwörung gewesen sein. Sind die Gefängnisse jetzt wenigstens voll?
Jana: Sind sie. Aber leider nicht mit den Cum-Ex-Verbrechern. Soweit ich weiß, hat einer der Haupttäter acht Jahre Zuchthaus bekommen.
Michael: Das war’s?!
Jana: Das war’s. Die Schuldigen haben auch hier mit ihren teuren Anwälten und ihrer riesigen kriminellen Energie dem Rechtsstaat ein X für ein U vorgemacht und sind zum Teil mit ihrem erklauten Geld davongekommen.

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Anlügen, anschwindeln, foppen, austricksen, hereinlegen, hineinlegen, irreführen, irreleiten, narren, nasführen, täuschen, unehrlich, unfair, veralbern, vergackeiern, verhohnepipeln, verkohlen, verulken, veräppeln, überlisten, all das bedeutet in der deutschen Sprache jemandem ein X für ein U vormachen.

Bis ins 17. Jahrhundert war die Verwendung der römischen Zahlzeichen weit verbreitet, obwohl die uns vertrauten arabischen Ziffern längst bekannt waren. Ein V war dabei das Zeichen für fünf, ein X stand für zehn. Dass man ein V durch Verlängerung der Linien zu einem X umgestalten kann, nutzten gierige Geschäftsleute zu ihrem Vorteil. Wenn ich also jemandem ein X für ein V vormache, täusche ich ihn ganz einfach dadurch, dass ich die Schenkel des V nach unten etwas verlängere, bis ein X daraus wird. Besondere Bedeutung hatte dies natürlich im Bereich des Rechnungswesens, insbesondere in den Kneipen, in denen der Verzehr des Gastes auf einer Wandtafel mit Kreide notiert wurde. Ein Wirt, der statt der verzehrten Summe V vom Gast die (gefälschte) Summe X verlangte, führte diesen irre. Daher die Bedeutung Täuschung. Viele Wirtsleute, die die Zeche ihrer Gäste mit Kreide an eine Tafel schrieben, wurden oft dieses Betruges bezichtigt.

Sie fragen sich hoffentlich, wieso hier andauernd vom V die Rede ist, wo es doch ein X für ein U vormachen heißt. Das liegt daran, dass die lateinische Schrift nicht zwischen V und U unterschieden hat. Die beiden Buchstaben wurden zwar unterschiedlich gesprochen, aber gleich geschrieben. Der berühmte Kaiser Augustus wurde also AVGVSTVS „gemeißelt“ (Kleinbuchstaben waren damals noch ungebräuchlich).

Jemandem ein X für ein U vormachen ist also eine alte Redewendung und auch in der englischen Sprache findet man ähnliche Weisheiten, wie zum Beispiel: "to pull wool over someone’s eyes" oder "to lead someone up the garden path".

Beispiel 1:

Damit ihr in der Männerdomäne Wirtschaft niemand ein X für ein U vormachen kann, studierte Cornelia Volkswirtschaftslehre in Hamburg und München.
So no one could try to pull wool over her eyes in the male-dominated business domain, Cornelia studied Economics in Hamburg and Munich.

Beispiel 2:

Journalismus ist spannend, denn man muss aufpassen, dass einem niemand ein X für ein U vormacht - also nachhaken, bohren, Mut zu unbequemen Fragen haben.
Journalism is exciting, because you have to be careful that nobody is pulling wool over your eyes- you must investigate, drill, and have the courage to ask the hard questions.