| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 29. Januar 2026. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo alle zusammen! Hallo Michael! |
| Michael: | Hallo Jana! Ein herzliches Willkommen an alle unsere Hörerinnen und Hörer! |
| Jana: | Wie immer diskutieren wir im ersten Teil unseres Programms aktuelle Ereignisse der Woche. Wir beginnen mit einer Analyse eines neuen umfangreichen Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien. Danach sprechen wir über die zunehmende Schuldenkrise der reichsten Länder der Welt. Die steigende Verschuldung bedroht die wirtschaftliche Stabilität und das Wirtschaftswachstum weltweit. In unserem Wissenschaftsteil sprechen wir heute über faszinierende Studien, die zeigen, wie Despotismus bei Menschen und Tieren entsteht. Und wir beenden den ersten Teil des Programms mit einer Diskussion über den Begriff „Weinmutter”, der nun als Beleidigung für Gegner der Einwanderungsbehörde ICE verwendet wird. |
| Michael: | Ich bin mir sicher, dass wir zu all diesen Themen interessante Diskussionen führen werden, aber ich persönlich finde die Studien zu Despotismus ganz besonders faszinierend. |
| Jana: | Und warum? |
| Michael: | Hmm, ich weiß nicht. Vielleicht, weil sie zeigen, dass Despotismus offenbar nicht nur bei uns Menschen vorkommt. |
| Jana: | Okay. Wir werden später im Programm ausführlich darüber sprechen. Jetzt erzähl uns bitte, worum es im zweiten Teil des Programms gehen wird. |
| Michael: | Der Rest des Programms ist der deutschen Sprache und Kultur gewidmet. Das Thema der heutigen Grammatiklektion ist Der Infinitivsatz – Adverbial Phrases with „zu“. Jedes Jahr wird in Deutschland ein Begriff, der als besonders zynisch gilt, zum „Unwort“ des Jahres gewählt. 2025 war es „Sondervermögen“, ein Begriff, der laut der Jury irreführend euphemistisch ist, da er die Debatte um die Schuldenaufnahme verschleiert. Karnevalssitzungen sind ein eher unterschätzter Teil des deutschen Karnevals. Von Gesang, Tanz und den berüchtigten Büttenreden ist dabei aber so gut wie alles vertreten. Da wird nicht um den heißen Brei herumgeredet, und genau das ist auch die Redewendung für diese Woche: Um den heißen Brei herumreden. |
| Jana: | Sehr gut! Los geht's! |
EU und Indien unterzeichnen umfangreiches Freihandelsabkommen als Antwort auf globale Handelsturbulenzen
Am Dienstag gaben die EU-Kommission und Indien ein historisches Freihandelsabkommen bekannt, das die Zölle auf eine Vielzahl von Produkten, darunter Autos, Wein, Maschinen und Arzneimittel, drastisch senkt. Das Abkommen wird ein Viertel des globalen Bruttoinlandsprodukts abdecken und Zölle auf 96 % der EU-Exporte nach Indien entweder abschaffen oder senken.
Besonders profitieren werden europäische Automobilhersteller. Die indischen Zölle auf Autos aus der EU werden von 110 % auf 10 % gesenkt. Ausgenommen bleiben jedoch Agrarprodukte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Reis und Zucker. Um das Abkommen zu sichern und Sackgassen zu vermeiden, verfolgten die EU-Verhandlungsführer einen pragmatischen Ansatz und umgingen politisch sensible Wirtschaftssektoren.
Das Freihandelsabkommen ist das Ergebnis der Bemühungen Brüssels und Neu-Delhis, angesichts der aggressiven Zoll- und Handelspolitik der USA und der chinesischen Exportkontrollen neue Märkte zu erschließen. Es schließt sich an eine Reihe von Handelsabkommen an, die in letzter Zeit zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur, Mexiko, Indonesien und der Schweiz sowie zwischen Indien und dem Vereinigten Königreich, Neus
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Eine sich zuspitzende Schuldenkrise bedroht die wohlhabendsten Länder der Welt und gefährdet die Stabilität der Weltwirtschaft und das globale Wachstum. Während historisch gesehen vor allem ärmere Länder unter einer hohen Verschuldung litten, zwingen die Rekordverschuldungen der großen Industrienationen diese nun dazu, Mittel aus wichtigen Bereichen wie Gesundheitswesen und Infrastruktur abzuziehen, um die hohen Zinskosten abzudecken.
Die Situation wird durch eine alternde Bevölkerung und steigende Militärausgaben als Reaktion auf die aktuellen geopolitischen Spannungen noch verschärft. Die Verschuldung Japans übersteigt mittlerweile das Doppelte der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes, und die Staatsverschuldung der USA hat 38 Billionen US-Dollar erreicht, was etwa 125 % des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Versuche, die Ausgaben in Italien und Frankreich zu kürzen, haben zu politischen Unruhen geführt.
Die Abkehr Japans von extrem niedrigen Zinsen und das Versprechen der US-Regierung, die Ausgaben zu erhöhen, haben die Märkte verunsichert und die globalen Zinsen in die Höhe getrieben. Wirtschaftsexperten warnen, dass sich diese Trends ohne die Einführung von Sparmaßnahmen ne
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Ein am 23. Januar von der BBC veröffentlichter Artikel zeigt überraschende Parallelen zwischen despotischen Gesellschaften bei Tieren und Menschen auf. Der Artikel beginnt mit der Betrachtung einer Studie des britischen Ökologen und Tierforschers Peter Crowcroft aus den 1950er Jahren, in der das Verhalten von Mäusen studiert und die tyrannische Herrschaft einer Maus namens Bill dokumentiert wurde. Crowcroft beobachtete, wie die Dominanz und Aggression unter Mäusen denen von menschlichen Diktatoren ähnelten.
Die Studie inspirierte andere Forscher, die mit ihrer Arbeit zeigten, dass Mäuse schnell Dominanzhierarchien bilden, wobei oft die aggressivsten Tiere an die Macht kamen. Darüber hinaus stellten sie fest, dass Despotismus auch bei Pavianen, Ameisen, Mungos und anderen Tieren verbreitet ist. In diesen Tiergesellschaften gibt es oft Anführer, die Ressourcen und Partner für sich selbst beanspruchen.
Doch nicht alle Tiergesellschaften werden von Tyrannen angeführt. Der Nördliche Spinnenaffe in Brasilien beispielsweise lebt in einer friedlichen, egalitären Gesellschaft, in der Zusammenarbeit und Geduld die Norm sind. Dieses Verhalten kann einer Tierart helfen, erfolgreich zu sein. Die
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In einer Wendung, wie sie nur in den USA möglich ist, hat der Begriff „Weinmutter“ für Chardonnay trinkende Frauen nun eine neue Bedeutung als politisches Schimpfwort erhalten. Kommentatoren von Fox News sprechen von „organisierten Banden von ‚Weinmüttern‘“, die gegen die Einwanderungsbehörde ICE protestieren, und stellen sie als „arrogante weiße Frauen“ dar, die zum Protestieren sowohl Kinderwagen als auch „Antifa“-Taktiken einsetzen.
Einst eine eher humorvolle Anspielung auf Mütter, die sich eine Auszeit verdient haben, ist „Weinmutter“ heute mit dem Vorwurf des Snobismus behaftet. Schließlich ist Wein das Getränk der wohlhabenden, liberalen, intellektuellen Elite, die von Konservativen als „Brie- und Chablis-Fraktion“ verspottet wird.
Auch in der Popkultur gilt Wein als das Getränk der Wahl für Frauen in Not und Männer mit fragwürdiger Moral, während wahre amerikanische Maskulinität mit Bier und Hochprozentigem assoziiert wird. Während sich das Land darüber streitet, wer was trinkt, bleibt Wein ironischerweise eine willkommene politische Waffe im Arsenal von Amerikas endlosen Kulturkriegen.
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Das Unwort des Jahres 2025
| Jana: | Seit 1991 gibt es das Unwort des Jahres in Deutschland. Eine Jury wählt jedes Jahr aus vielen Vorschlägen einen Begriff aus, um ihn als besonders zynisch an den Pranger zu stellen. Das Unwort des Jahres 2025 ist „Sondervermögen“. Der Ausdruck verschleiere Fakten und wirke manipulativ, so die Jury. |
| Michael: | Den Ausdruck habe ich im vergangenen Jahr unzählige Male gehört. Was ist denn so schlimm daran? |
| Jana: | Du hast den Begriff also einfach so hingenommen, ohne mal über die eigentliche Bedeutung nachzudenken? |
| Michael: | Ja. Er wurde doch in der politischen Debatte benutzt, um zu beschreiben, dass in den nächsten Jahren sehr viel Geld in Deutschlands Infrastruktur und die Bundeswehr fließen soll, oder? |
| Jana: | Ja, es stimmt, dass der Begriff in diesem Kontext benutzt wird. Aber um zu untersuchen, ob ein Begriff auch von seiner Bedeutung her richtig verwendet wird, muss man die Semantik mit einbeziehen. |
| Michael: | Anstatt mit diesen Fremdwörtern um dich zu schmeißen, erkläre mir lieber, was du damit meinst. |
| Jana: | Also, der Begriff „Vermögen“ kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Zum Beispiel hast du ein Hör- und Sehvermögen. Du besitzt also die Fähigkeit, etwas mit deinen Ohren und Augen wahrzunehmen. |
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I. Theory
In German, the preposition zu operates similarly to the English “to” when used with verbs. This lesson discusses adverbial phrases (a clause that shows how or why an action is performed) that contain zu. In these clauses, zu is found before a verb in the infinitive form.| Wir sollten uns morgen treffen, um das Projekt zu diskutieren. We should meet tomorrow (in order) to discuss the project. Sie hat die Dateien gelöscht, ohne jemanden darüber zu informieren. She deleted the files without telling anyone. Anstatt eine neue Wohnung zu finden, werde ich bei meinen Eltern wohnen. Instead of finding a new apartment, I will live with my parents. |
II. Adverbial Phrases
In this lesson, we will cover 3 adverbial phrases: um … zu, anstatt … zu, and ohne … zu. As you can see in the examples above, each of three phrases contains a middle field where additional information such as nouns or adverbs can be inserted. Adverbial phrases are their own clause and thus are separated from other clauses with a comma.Um … zu
| Um technische Probleme zu vermeiden, habe ich einen zweiten Laptop gekauft. In order to avoid technical problems, I bought a second laptop. Hast du ihn angerufen, um ihm zu sagen, dass du morgen nicht kommen kannst? Did you call him to say that you can’t come tomorrow? |
Anstatt ... zu
Note: this often equates to the gerund (-ing form) of the verb in English.| Anstatt ganztags im Büro zu arbeiten, kann man Freiberufler werden. Instead of working in an office full-time, you can be a freelancer. Wir fliegen im Sommer nach Ägypten, anstatt nach Island zu reisen. We are going to Egypt this summer, instead of travelling to Iceland. |
Ohne … zu
Note: this also often equates to the gerund (-ing form) of the verb in English.| Man kann nicht ins Ausland reisen, ohne einen Reisepass zu haben. You can’t travel abroad without having a passport. Ich kann dir kein Geschenk kaufen, ohne zu wissen, was du willst. I can’t buy you a present without knowing what you want. |
Die Karnevalssitzung
| Michael: | Jetzt, wo wir auf die Hochphase des Karnevals in Deutschland zusteuern, die in vielen Regionen Deutschlands – von Köln, der Hauptstadt des Karnevals bis in den Süden – allgemein als die fünfte Jahreszeit bekannt ist, möchten wir uns heute einer normalerweise weniger beachteten Kunstform des Karnevals zuwenden: der Karnevalssitzung. Dort wird wirklich nicht um den heißen Brei herumgeredet. |
| Jana: | Au weia. Da bin ich aber mal gespannt. Ich meine, der Karneval, im Süden auch Fasching genannt, bezeichnet die ausgelassenen Feierlichkeiten in katholischen Gegenden, bevor mit dem Aschermittwoch die 40 Tage Fastenzeit vor Ostern beginnen. |
| Michael: | Genau. Den meisten sind wahrscheinlich die Karnevalsumzüge und das ausgelassene kostümierte Feiern bekannt, das ungefähr eine Woche dauert. Insbesondere die Karnevalswagen in den Umzügen sind weltweit berühmt. Frech und häufig vulgär, nehmen sie wirklich kein Blatt vor den Mund, wenn es um das aktuelle politische Geschehen geht. |
| Jana: | Das ist bei den Karnevalssitzungen auch nicht anders. Eine Karnevalssitzung ist eine Abendveranstaltung vor kostümierten Zuschauern, deren Programm aus viel Musik, Tanz, Gesang und den berühmten politisch-satirischen Büttenreden besteht. Die Stimmung in diesen Sitzungen ist normalerweise hervorragend bis ausgelassen. |
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Die Redewendung ist umgangssprachlich und ihr Ursprung ist vermutlich die Redensart wie die Katze um den heißen Brei. Diese Redensart ist schon bei Martin Luther belegt, auch Goethe und Schiller benutzten sie in ihren Werken. Um andere nicht zu verletzen, reden viele Menschen gerne um den heißen Brei. Sie sagen nicht direkt, was sie wollen bzw. nicht möchten. Hinter dieser Haltung kann „Höflichkeit“, eine gewisse Unsicherheit oder eventuell sogar Feigheit stecken, weil viele Menschen nicht gut mit Kritik, Konflikten, verschiedenen Ideen, Vorstellungen usw. umgehen könnten. Das heißt, wenn man will, dass der andere nicht um den heißen Brei herumredet, muss man mit all diesen Möglichkeiten klarkommen (damit, dass der andere Kritik äußert, dass ein Konflikt entsteht, dass die Ideen sich unterscheiden usw.). Außerdem werden manche Dinge eben als peinlich empfunden, und das erschwert die direkte Kommunikation ebenfalls. Wenn man Brei (Grießbrei, Kartoffelbrei oder Reisbrei) isst, wird oft gesagt, dass man von außen nach innen essen soll, weil es innen noch heiß und außen schon kühler ist. Der Brei ist vergleichbar mit dem eigentlichen Gesprächsthema, was oft ein brisantes, ein heißes Thema sein kann. Bei manchen Themen kann man sich auch schnell die Zunge verbrennen, wenn man nicht aufpasst.
Die wortwörtliche Übersetzung von Um den heißen Brei herumreden ist To talk around the hot porridge. Auf Englisch würde man vielleicht to beat around the bush oder wasting time verwenden.
Beispiel 1:
Der Professor begrüßte alle Anwesenden knapp und geschäftsmäßig, denn er wollte gleich zur Sache kommen und nicht lange „um den heißen Brei“ herumreden.The professor greeted all the attendees briefly and professionally because he wanted to come to the point immediately and did not want to "beat around the bush".
Beispiel 2:
Im Gerichtssaal hatte der Rechtsanwalt diese doch sehr unerfreulichen Tatbestände allesamt klar beim Namen genannt, ohne um den heißen Brei herumzureden.In the courtroom, the attorney had clearly stated all these very unpleasant facts without wasting any time.
| ohne (4) | um (3) | anstatt (3) |
- gesund zu bleiben, esse ich jeden Tag Gemüse.
- Ich laufe lieber zur Arbeit, zu fahren.
- Sie hat das Büro heute früh verlassen, unserer Chefin etwas zu sagen.
- Wie viel Geld brauchst du, einen neuen Computer zu kaufen?
- einander Geschenke zu geben, gehen wir zusammen in ein Restaurant.
- Der Matrose fiel ins Wasser, eine Schwimmweste zu tragen.
- Wie kommt es, dass du einen Uni-Abschluss hast, Bücher zu lesen?
- Wir haben Geld gespart, nach Europa zu reisen.
- Zeit mit der Familie zu verbringen, ist er immer bei seinen Freunden.
- es zu merken, habe ich meine Schlüssel zu Hause vergessen.
- Anstatt an seinem Projekt zu , verbringt er den Morgen in einem Meeting.
a. lesen
b. arbeiten - Das Unternehmen hat ihn wegen Abwesenheit entlassen, ohne seine Gründe zu .
a. hören
b. schreiben - Meine Schwester zieht nach Deutschland, um Musik zu .
a. studieren
b. verkaufen - Anstatt ihre Freunde zur Party zu , entschied sie sich, zu Hause zu bleiben.
a. sprechen
b. begleiten - Ohne Medikamente , kannst du nicht gesund werden.
a. einzunehmen
b. einzukaufen - Sie haben diese Entscheidung getroffen, ohne uns zu .
a. informieren
b. versprechen - Um das Kunstwerk zu , muss man an einer Auktion teilnehmen.
a. sehen
b. kaufen - Wir müssen sofort zum Flughafen fahren, um den Flug nicht zu .
a. verpassen
b. reisen - Ich kann dieses französische Buch nicht lesen, ohne ein Wörterbuch zu .
a. benutzen
b. beginnen - Anstatt Fleisch zu , empfielt mein Arzt mehr Fisch.
a. trinken
b. essen