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Einen Bären aufbinden


Baron Münchhausen

Robin: Ich lese gerade alle Geschichten unseres Lügenbarons Münchhausen. Diese sind auch fast 250 Jahre nach ihrem Erscheinen immer noch fantastisch gut. Wenn es darum ging, den Leuten einen Bären aufzubinden, war Münchhausen unschlagbar.
Jana: Baron Münchhausen war ein begnadeter Geschichtenerzähler, kein Lügner. Das war zu einer Zeit, als sich die Leute bei gutem Wein und Essen in guter Gesellschaft mit viel guter Laune gute Geschichten erzählt haben. Heute ist das gesellige Miteinander ja fast ausgestorben. Dafür sorgen unter anderem Netflix, TikTok, Facebook und Co.
Robin: Ja klar. Münchhausen wurde 1720 in Bodenwerder geboren. Mit 13 wurde er Page eines Herzogs, wie das damals in adligen Kreisen so üblich war, und er folgte diesem mit 17 in den Russisch- Österreichischen-Türkenkrieg nach Russland. Das hat einen großen Eindruck auf ihn hinterlassen. Viele seiner sogenannten Lügengeschichten kommen aus Russland.
Jana: Wie beispielsweise seine berühmteste Geschichte, in der er seinen Gästen den Bären aufband, er sei auf einer Kanonenkugel über eine belagerte Stadt geflogen, um feindliche Stellungen auszukundschaften und dann kurzerhand auf eine Kanonenkugel in Gegenrichtung umgestiegen.

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Einen Bären aufbinden bedeutet, dass man jemanden anlügt, dass man jemandem etwas Unwahres erzählt, in der Hoffnung, dass er oder sie es glaubt, dass man jemanden täuschen oder betrügen will, dass man schummeln oder mogeln möchte, dass man jemandem Lügen auftischen will. Gleichbedeutende Wörter sind austricksen, foppen, veräppeln, weismachen.

Die Redewendung ist umgangssprachlich und wird eher in informellen Situationen verwendet. Der Ursprung dieser Redensart ist unbekannt und es gibt einige Spekulationen. Angeblich ist die Redewendung seit 1663 belegt. Im Althochdeutschen bedeutet das Wort 'Bere, Bäre, Bare' eine 'Abgabe', aber auch ein (eisernes) Fallgewicht an Schmiedehämmern und -rammen bezeichnet man als 'Bär'. Und dieses jemandem auf den Rücken zu binden, ohne dass diese Person es merkt, ist sehr unwahrscheinlich. Es könnte auch sein, dass diese Redewendung mit einer ähnlichen vermischt wurde, einen Bären anbinden, was Schulden machen bedeutet. Diese Redewendung ist in einer Jagdgeschichte erstmals bereits 1669 in Johann Jakob Christoph von Grimmelshausens (1622-76) Roman „Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ belegt: „...daß ich ihnen, wenn ich nur aufschneiden wollen, seltsame Bären hätte anbinden können“.

Die wortwörtliche Übersetzung von Einen Bären aufbinden ist “to strap on a bear”. Auf Englisch würde man vielleicht to take someone for a ride oder to pull someone’s leg or to scam someone verwenden.

Beispiel 1:

Claudia’s Mutter konnte nicht warten, und sie ging ohne Claudia ein neues Handy kaufen. Als sie später nach Hause kam und Claudia stolz ihr neues Handy und das neue „kostenlose“ Tablet zeigte, konnte Claudia nur noch eines sagen: „Ich glaube, die haben dir einen gewaltigen Bären aufgebunden.“
Claudia's mother could not wait, and she went without Claudia to buy a new cell phone. When she came home later and proudly showed Claudia the new cell phone and the new "free" tablet, Claudia could only say one thing: "I think they took you for a ride".

H3>Beispiel 2:Als Peter den Van Gogh begutachten ließ, sagte ihm der Kunstexperte, dass er sich einen Bären aufbinden lassen hatte und der „Van Gogh“ eine sehr gute Fälschung war.
When Peter had the Van Gogh appraised, the art expert told him that he had been scammed and that the “Van Gogh” was a very good fake.