| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 30. Oktober 2025. Willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo alle zusammen! |
| Michael: | Ein herzliches Willkommen an alle unsere Hörerinnen und Hörer! |
| Jana: | Im ersten Teil unseres Programms geht es wie immer um aktuelle Ereignisse. Wir beginnen mit einer Analyse des Rule of Law Index 2025, der gerade vom World Justice Project veröffentlicht wurde. Der Index zeigt, dass die Rechtsstaatlichkeit weltweit in 68 % der Länder zurückgegangen ist. Anschließend sprechen wir über eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage, aus der hervorgeht, dass 56 % der Europäer die Erweiterung der EU befürworten. Insbesondere jüngere Menschen unterstützen eine Erweiterung. In unserem Wissenschaftsthema sprechen wir heute über eine neue Studie, die zeigt, dass das Gehirn von Männern schneller schrumpft, Frauen jedoch fast doppelt so häufig Alzheimer haben. Und zum Schluss sprechen wir über den Juwelenraub im Louvre. Was könnte die Diebe dazu inspiriert haben? |
| Michael: | Geld? Ruhm? Nervenkitzel? |
| Jana: | Ich meine die Unverfrorenheit dieser Aktion. Wurden sie vielleicht von Büchern und Filmen inspiriert? |
| Michael: | Oh! Ein interessanter Gedanke! Ich freue mich schon auf diese Diskussion. |
| Jana: | Ich mich auch. Aber jetzt erzähl uns doch bitte, worüber wir im zweiten Teil des Programms sprechen werden. |
| Michael: | Der Rest des Programms ist der deutschen Sprache und Kultur gewidmet. Die heutige Grammatiklektion konzentriert sich auf Wo-Compounds. In Berlin werden häufig gebrauchte, aber gut erhaltene Gegenstände an die Straße gestellt, oft mit einem „zu Verschenken“-Schild. So manch einer findet hier gute Sachen. Höhere Strafen für auf diese Weise manchmal illegal entsorgten Müll bedrohen jetzt diese einzigartige Tauschkultur. Diese Woche veranschaulichen wir den Gebrauch der Redewendung 08/15 (Null-Acht-Fünfzehn). Diese Redewendung trifft auf die Vertreter im EU-Parlament zu, die gerade dafür gestimmt haben, Begriffe wie Wurst, Schnitzel oder Burger als Bezeichnungen für fleischlose Produkte zu verbieten. Das wäre das Aus für den Veggie-Burger. |
| Jana: | Interessante Themen. Na dann, los geht‘s! |
Am 28. Oktober veröffentlichte das World Justice Project den Rule of Law Index 2025. Dänemark, Norwegen, Finnland und fünf weitere EU-Länder erzielten weltweit die höchsten Werte. Insgesamt ging die Rechtsstaatlichkeit im Jahr 2025 in 68 % der Länder zurück, verglichen mit 57 % im Jahr 2024. Am stärksten war der Rückgang in Russland, das damit auf Platz 128 von 143 Ländern zurückfiel.
In der EU gab es den stärksten Rückgang in Ungarn und der Slowakei. Bulgarien und Ungarn erzielten insgesamt die niedrigsten Werte. Die größten Verbesserungen gab es in Irland und Polen. In 75 % der EU-Länder nahm die Diskriminierung zu und die Justiz wurde weniger unparteiisch. In den meisten EU-Ländern gerieten die Gerichte zunehmend unter unzulässigen Einfluss der Regierung.
Venezuela, Afghanistan, Kambodscha, Haiti und Nicaragua liegen am unteren Ende des Index. Neben Russland gab es im Sudan und in Mosambik den stärksten Rückgang. Zu den Ländern mit den größten Verbesserungen zählen die Dominikanische Republik, Senegal und Sierra Leone. Der Index umfasst 143 Länder, wobei Katar zum ersten Mal miteinbezogen wurde.
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Die EU-Erweiterungspolitik hat nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine an Schwung gewonnen. Eine von Euronews organisierte Debatte zur EU-Erweiterung ist für den 4. November in Brüssel geplant. Derzeit gibt es neun offizielle Kandidaten für eine EU-Mitgliedschaft. Montenegro ist in diesem Prozess am weitesten fortgeschritten und strebt bis 2028 eine volle Mitgliedschaft an.
Eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass 56 % der Europäer die Erweiterung der EU unterstützen, wobei Schweden (79 %), Dänemark (75 %) und Litauen (74 %) besonders stark dafür sind. Österreich, die Tschechische Republik und Frankreich sind am wenigsten offen dafür. Vor allem jüngere Menschen befürworten die Erweiterung. 67 % der 15- bis 24-Jährigen sind dafür.
Allerdings bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich möglicher negativer Konsequenzen. Dazu zählen unkontrollierte Einwanderung (40 %), mögliche Korruption und Kriminalität (39 %) sowie finanzielle Belastungen für die Steuerzahler (37 %). Viele EU-Bürger sind der Meinung, dass die Erweiterung der EU von Maßnahmen zur Wahrung der Rechtsstaatlichkeit begleitet werden sollte (44 %) und dass die Verpflichtung zu EU-Reformen sichergestellt werden muss (
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Eine Anfang Oktober in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie hat über 12.000 Gehirnscans von fast 5.000 gesunden Personen im Alter von 17 bis 95 Jahren analysiert. Die Studie zeigt, dass das Gehirn von Männern schneller schrumpft. Bei Männern beträgt der jährliche Rückgang 2,0 %, bei Frauen 1,2 %, was mit anderen allgemeinen biologischen Alterungsmustern übereinstimmt.
Trotz dieser Unterschiede erkranken Frauen fast doppelt so häufig an Alzheimer. Die Ergebnisse der Studie stellen bisherige Spekulationen über die Gründe für diese Diskrepanz in Frage. Sie deuten darauf hin, dass die höhere Prävalenz von Alzheimer-Diagnosen bei Frauen möglicherweise keine Folge geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Gehirnalterung ist.
Stattdessen spielen vermutlich hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren, Unterschiede im Immunsystem und im Gefäßsystem, genetische Risiken und die höhere Lebenserwartung von Frauen eine Rolle bei dieser Diskrepanz. Dennoch bleiben die komplexen biologischen Gründe für die erhöhte Anfälligkeit von Frauen unklar, was weitere Studien notwendig macht.
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In einem spektakulären Vorfall, der ganz Frankreich in Atem hielt, verübten vier Männer an einem sonnigen Oktobermorgen einen gewagten Raubüberfall im Louvre in Paris. Den Tätern gelang es, am helllichten Tag zwei Diademe, zwei Broschen, zwei Halsketten und drei Ohrringe zu stehlen.
Auf ihrer Flucht ließen die Diebe ein Diadem fallen. Darüber hinaus ließen sie eine kuriose Sammlung von Werkzeugen zurück, darunter mehrere Winkelschleifer, sowie ein Walkie-Talkie und jede Menge DNA-Spuren. All das erinnert an eine Slapstick-Komödie. Und als wollten sie dem Pariser Stil treu bleiben, flohen sie auf Mopeds.
Die Juwelen, die zunächst als „von unschätzbarem Wert“ bezeichnet wurden, wurden später auf etwa 102 Millionen Dollar geschätzt. Die gestohlenen Schmuckstücke erregen jetzt mehr Aufsehen als früher, als sie noch ausgestellt waren. Da niemand zu Schaden gekommen ist, scheint dieser Raubüberfall zu einem unerwarteten Geschenk für die Welt geworden zu sein. Denn wer möchte nicht lieber über gestohlene Diamanten lesen als über Katastrophen?
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Die „zu Verschenken“-Kultur in Berlin ist in Gefahr
| Jana: | In Berlin ist es gängige Praxis, gebrauchte Gegenstände, wobei vieles davon noch gut zu gebrauchen ist, vor Hauseingänge zu stellen. Das sind zum Beispiel Kleidung, Möbel oder Bücher in Kartons. Einiges ist allerdings eher Müll, und zu viele Menschen nutzen dieses System aus, woraufhin die Stadtreinigung immer mehr illegalen Müll entsorgen muss. Nun sollen die Strafen drastisch erhöht werden, wenn man irgendetwas an die Straße stellt. |
| Michael: | Also, ich kann verstehen, wenn man brauchbare Sachen wie Kleidung, Bücher oder auch mal ein Regal an die Straße stellt. Diese informelle Tauschwirtschaft ist etwas, das die Stadt belebt und worüber man sich freuen kann. |
| Jana: | Leider kommt es aber immer häufiger vor, dass auch mal ein kaputter Kühlschrank, eine vom Regen durchnässte Matratze oder einfach nur unbrauchbarer Sperrmüll die Straßen verschmutzt. |
| Michael: | Das ist doch eigentlich nicht erlaubt, oder? |
| Jana: | Natürlich nicht, aber die Leute tun es trotzdem, denn wovor sollen sie denn Angst haben? |
| Michael: | Gibt es keine Strafen, wenn man seinen Müll irgendwo illegal entsorgt? |
| Jana: | Doch, schon. Aber anscheinend sind sie zu niedrig und schrecken nicht wirklich davon ab. |
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→ Read: Why spoken German is hard to understand - Develop your skills with structured listening exercises
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I. Theory
Wo-compounds, like da-compounds, combine wo-, or wor-, with a wide array of prepositions. Wo-compounds are used to show prepositions involved in questions. In English, we would say: “What are you writing with?” In German this would be: “Womit schreibst du?” Although wo generally means “where”, it usually is translated as “what” in these situations.| Worauf wartest du? What are you waiting for? Woher kommst du? Where are you from? *Worüber denkst du nach? What are you thinking about? |
*Here, we see wor- instead because the preposition starts with a vowel.
II. Wen/Wem
Wo-compounds can only be used when the object of the preposition isn’t a person. In these instances, either wen + accusative preposition or wem + dative preposition is used.| Auf wen warten wir? Whom are we waiting for? But Worauf warten wir? What are we waiting for? Nach wem suchst du? Whom are you looking for? But Wonach suchst du? What are you looking for? |
III. Wo-clauses
It should be noted that, at times, we see wo-compounds used in subordinate clauses. In these situations, the wo-clause has the same meaning as a relative clause. This is an optional alternative to using relative pronouns but only when the antecedent is an object and not a person.wovonMorgen gehe ich auf das Konzert, wovon ich dir erzählt hatte.Tomorrow I am going to the concert that I told you about. Or Morgen gehe ich auf das Konzert, von dem ich dir erzählt hatte. Tomorrow, I am going to the concert that I told you about. wovorDas Mädchen sah etwas, wovor sie Angst hatte.The girl saw something, that she was afraid of. Or Das Mädchen sah etwas, vor dem sie Angst hatte. The girl saw something, that she was afraid of. |
Namensverbot für Veggie-Burger
| Michael: | Jana, du kannst beruhigt sein. Alle Probleme der EU sind gelöst! Von jetzt an herrscht Friede, Freude, … Eierkuchen in unseren Landen, wo die Bewohner ja in der Regel sonst alles andere als 0815 sind. |
| Jana: | Ähh, … darf ich fragen, wovon du hier redest? Das ist ja wohl ein Scherz. |
| Michael: | Klar ist das ein Scherz. Das EU-Parlament hat mit einer Mehrheit aus Rechtsaußen-Parteien und Teilen der konservativen Fraktionen mit 355 zu 247 Stimmen für ein Verbot gestimmt, wonach vegetarische Fleischersatzprodukte wie Tofu-Wurst, Veggie-Burger oder Sojaschnitzel nicht mehr Burger, Schnitzel oder Wurst heißen dürfen. |
| Jana: | Was? Wer hat sich denn diesen Quatsch wieder ausgedacht? |
| Michael: | Unter anderem auch unser Bundeskanzler. Aber das Verbot ist noch nicht rechtskräftig. Die 27 Mitgliedsstaaten der EU müssen zustimmen und werden sicherlich mit irgendeinem 0815-Kompromiss antanzen. |
| Jana: | Haben wir denn keine anderen Probleme? |
| Michael: | Genau das sage ich doch. |
| Jana: | Und was soll der Grund für eine solche Regelung sein? |
| Michael: | Offiziell ist der Grund Verbraucherschutz. Fleischlose Produkte als Burger, Schnitzel oder Wurst zu bezeichnen, sei irreführend. |
| Jana: | Das ist doch lächerlich. Das ist so was von einer 0815-Aussage ... Die Produkte sind mittlerweile weitläufig unter diesen Namen bekannt. Wer käme denn auf die Idee, dass ein Veggie-Burger Fleisch enthält? Das ist doch absurd. |
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Verwendet wird der Ausdruck 08/15 überall in der deutschen Sprache. Hauptsächlichen Gebrauch findet er im gesprochenen Deutsch. Durch den negativen Unterton sollte man etwas vorsichtig mit seiner Verwendung sein. Wenn man etwas als 08/15 bezeichnet, kann dies leicht als Beleidigung aufgefasst werden.
Die Herkunft der Redewendung 08/15 stammt von der Bezeichnung eines Gewehrs im Ersten Weltkrieg. Dieses Modell mit dem Namen 08/15 war damals der Standard für jeden Soldaten.
Übersetzungen von 08/15 ins Englische sind “average“, “boring“, “run-of-the-mill“.
Beispiel 1:
Auf unserem Wochenendtrip nach München hat fast alles super geklappt. Das einzige, was ich zu beanstanden habe, war das Frühstück in unserem Hotel. Es hat ausgereicht, aber für den Preis hätte ich mehr erwartet als ein 08/15-Frühstück.On our weekend-trip to Munich, almost everything went really well. The only thing I have to complain about is the breakfast at our hotel. It was sufficient, but for the price I expected more than an average breakfast.
Beispiel 2:
Diese Schuhe will ich nicht, die trägt doch diese Saison jeder. Das ist mir viel zu 08/15. Wenn ich in Berlin bin, will ich mit extravaganten Sneakers auffallen.I don't want these shoes, everybody is wearing those this season. They are way too boring. When I’m in Berlin, I want to turn heads with some extravagant sneakers.
Beispiel 3:
Ich habe genug von all diesen Dating-Apps. Da sind nur 08/15-Typen angemeldet, die sind mir viel zu langweilig.I have had enough of all these dating apps. Just run-of-the-mill guys are registered there, they are way too boring for me.
Note: Keep in mind some sentences may be talking about people and not objects.
- - beschwerst du dich jetzt?
- Ich beschwere mich über die Note, die ich gestern in Kunstgeschichte bekommen habe. Mein Aufsatz ist scharf kritisiert worden! - - müsst ihr euch kümmern?
- Um unsere Oma. Sie ist gestern aus dem Krankenhaus gekommen. - - hat sie gestern Nacht geträumt?
- Sie sagte, dass sie von dem Autounfall, der heute passiert ist, geträumt hatte. - - habt ihr euch gestritten?
- Wir haben uns über das Reiseziel für unseren nächsten Urlaub gestritten. - - Ich bin mir nicht sicher, ob ich befördert werde. Ich konkurriere mit
einem anderen Kollegen.
- konkurrierst du um die Stellung? - - Heute haben wir sehr viel zu tun.
- sollen wir anfangen? Mit der Präsentation? - - Hast du Hobbys? interessierst du dich?
- Ich interessiere mich für Kunstgewerbe und Segeln. - - Die Übersetzerin ist heute sehr beschäftigt. Sie arbeitet an ein wichtigen Projekt.
- Ich verstehe. arbeitet sie momentan? An einem Buch? - - schützt diese Software den Computer?
- Sie schützt den Computer vor Viren. - - Ich finde, er ist egoistisch und arrogant.
- Wer? sprichst du?
| in dem | wovon | womit | für wen | bei wem darauf | darum | darüber | wohin | darin |
Anja: Was? redest du? Du liebst dein Haus!
Alex: Das stimmt, aber ich habe einen neuen Job angenommen!
Anja: Echt? Das ist toll. wirst du arbeiten?
Alex: Für eine Firma in Hamburg als Grafikdesigner. Ich freue mich .
Anja: Hamburg ist eine schöne Stadt. Ich habe dort 3 Jahre gelebt und in dem Stadtteil, ich gewohnt habe, gab es viele Bars und Restaurants.
Alex: Tja, ich habe noch keine Wohnung gefunden. Ich muss mich dringend kümmern, denn die Firma will, dass ich sofort anfange.
Anja: Das ist schwierig. Hast du deine Möbel schon aus dem Haus geräumt?
Alex: Nein. Sie sind noch immer dort, denn ich weiß noch nicht, sie transportiert werden müssen.
Anja: Verstehe. Ich habe bei mir eine Garage, wo du alles abstellen kannst, falls du möchtest. ist viel Platz.
Alex: Wirklich? Das wäre etwas, du mir sehr helfen würdest!
Anja: Ja, kein Problem! übernachtest du in Hamburg, wenn du nach einer Wohnung suchst?
Alex: Ich habe noch nicht nachgedacht. Wahrscheinlich im Hotel.
Anja: Ok. Viel Glück bei der Wohnungssuche!