| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 12. März 2020. Herzlich willkommen zu unserer wöchentlichen Ausgabe von „News in Slow German“! Hallo liebe Hörer! Hallo Michael! |
| Michael: | Hallo Jana! Hallo zusammen! |
| Jana: | Im ersten Teil unseres Programms werden wir einige Nachrichten besprechen, die in dieser Woche international für Schlagzeilen gesorgt haben. Wir beginnen mit der Entscheidung des italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, das ganze Land abzuriegeln, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Anschließend sprechen wir über den Öl-Krieg zwischen Russland und Saudi-Arabien und seine Auswirkungen auf die globalen Märkte. Danach diskutieren wir das Ergebnis eines Berichts von Klimawissenschaftlern, demzufolge der letzte Winter einen neuen Wärmerekord in Europa aufgestellt hat. Und zum Schluss sprechen wir über die Zerstörung einer heiligen, 1000 Jahre alten Steinstatue auf der Osterinsel durch einen Kleinlaster. |
| Michael: | Danke, Jana. Im zweiten Teil unseres Programms geht es dann weiter mit unserem Segment „Trending in Germany“. |
| Jana: | Wir werden in dieser Woche über die Entscheidung des türkischen Präsidenten sprechen, die Grenzen zu öffnen, um Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Flüchtlingen die Einreise nach Europa zu ermöglichen, womit eine Wiederholung der verheerenden Flüchtlingskrise von 2015 droht. Und wir schließen mit den Präventionsmaßnahmen ab, die Deutschland ergriffen hat, um die Ausbreitung des Coronavirus im Land zu verhindern. |
| Michael: | Klingt gut, Jana! Los geht's! |
| Jana: | Danke, Michael! Wir beginnen mit den Nachrichten aus aller Welt. |
Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hat am Montag ganz Italien und die 60 Millionen Einwohner des Landes unter Quarantäne gestellt, um den Ausbruch von COVID-19 einzudämmen. In der Lombardei und in 19 weiteren Provinzen im Norden gab es bereits Sperrzonen, aber als dann Tausende von Einwohnern in den Süden Italiens flohen, wurde die Abriegelung auf das gesamte Land ausgeweitet.
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Am Wochenende brach ein Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien aus, der zu einem Einbruch der Aktienmärkte in der ganzen Welt führte. Diese Krise und der weltweite Coronavirus-Ausbruch brachte Wall Street den größten Crash innerhalb eines Tages seit 2008. Der Dow-Jones-Index fiel am Montag um mehr als 2000 Punkte.
Die Ölkrise ist das Ergebnis einer drastisch gesunkenen Nachfrage in Asien als Folge der geringeren Wirtschaftsaktivitäten in dieser Region wegen des Coronavirus-Ausbruchs. Einige chinesische Raffinerien haben ihre Nachfrage nach ausländischem Öl im vergangenen Monat um bis zu 20 % reduziert. In der vergangenen Woche traf sich die Organisation der erdölexportierenden Länder OPEC in Wien, um die Reaktion der Organisation auf diese Krise zu erörtern. Russland, ein weiteres bedeutendes erdölproduzierendes Land, war ebenfalls eingeladen. Vor drei Jahren wurde zwischen Russland und der OPEC eine Vereinbarung zur Koordinierung der Fördermengen getroffen. Diese Allianz ist als OPEC+ bekannt. OPEC-Führer Saudi-Arabien wollte die Produktion um eine Million Barrel pro Tag zurückfahren, was die Ölpreise trotz des Rückgangs der Nachfrage hoch halten würde. Die Hälfte diese
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Der Klimawandeldienst „Copernicus“ der Europäischen Union gab am 4.März in einem Bericht bekannt, dass dieser Winter mit Abstand der wärmste in Europa seit dem Beginn der Aufzeichnungen war. Die durchschnittliche Temperatur zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 war 3,4 Grad Celsius wärmer als die durchschnittliche Temperatur von 1981 bis 2020 und 1,6 Grad Celsius wärmer als der bislang wärmste Winter 2015/16. Februar war außerdem der zweitwärmste Wintermonat weltweit. Die Temperatur lag nur 0,1 Grad Celsius unter dem bisherigen Rekord vom Februar 2016.
In Europa hat der extrem warme Winter landwirtschaftliche Auswirkungen und andere Folgen. Zum ersten Mal war es in Deutschland nicht kalt genug, um den berühmten „Eiswein“ zu produzieren. Eiswein, eine beliebte Delikatesse, wird aus gefrorenen geernteten Trauben hergestellt. Es gab außerdem Schwierigkeiten mit der Rentierhaltung in Schweden, und Skigebiete in ganz Europa litten unter Schneemangel.
Europa war nicht die einzige Region mit einem ungewöhnlich warmen Winter. Auch in Russland, dem größten Teil Chinas, weiten Teilen Afrikas, Westaustraliens und Teilen Nord- und Südamerikas herrschten überdurchschnittlich warme Temperaturen
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Am 1. März rollte ein geparkter Kleinlaster einen Hügel auf der Osterinsel hinunter und kollidierte mit einer 1000 Jahre alte Statue. Schuld an dem Unfall war offensichtlich ein Versagen der Bremsen. Der Besitzer des Lastwagens, ein auf der Insel lebender Chilene, wurde verhaftet und beschuldigt, ein Nationaldenkmal beschädigt zu haben. Der Lastwagen war gegen einen Ahu geprallt. Ein Ahu ist der Steinsockel, auf dem eine Moai-Statue steht. Die Kollision verursachte Schäden von unermesslichem Ausmaß. Moai sind die Steinfiguren, die die Osterinsel berühmt gemacht haben. Es gibt etwa 900 von ihnen auf der Insel.
Für die einheimischen Bewohner, die ihre Insel Rapa Nui nennen, sind die Moai-Statuen heilig. Für die Inselbewohner tragen die Steinstatuen den Geist ihrer Vorfahren in sich und werden als deren Inkarnation angesehen. Für sie sind die Statuen mehr als nur archäologische Stätten; sie sind der Ausdruck einer lebendigen Kultur. Seit 2012 ist die Bevölkerung der Insel um 50 % auf 12.000 Einwohner angewachsen. Gegenwärtig besuchen etwa 12.000 Touristen jeden Monat die Osterinsel.
Ein Experte des Britischen Museums besuchte die Osterinsel im vergangenen Jahr, um seinen Rat zum Schut
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| Jana: | Jetzt haben wir eine neue Krise in der EU. Die Türkei hat gerade beschlossen, den Flüchtlingsdeal von 2016 mit der EU aufzukündigen, wenn die Forderungen der Türkei nicht erfüllt werden. Der türkische Präsident Erdogan droht der EU mit Hunderttausenden bis Millionen von Flüchtlingen. Das würde natürlich eine Wiederholung der Flüchtlingskrise von 2015 bedeuten. Damals strömten ein bis zwei Millionen Flüchtlinge alleine nach Deutschland. Diese Flüchtlingszahlen hatten in ganz Europa eine Destabilisierung ausgelöst. Deswegen gab es 2016 diesen Deal mit der Türkei. Der war zu komplex, um das hier genauer auszubreiten, aber im Wesentlichen war die Türkei de facto der Hüter der südöstlichen Außengrenze der EU. Im Gegenzug bekamen sie an die sechs Milliarden Euro Hilfe und andere Konzessionen. Mittlerweile gibt es fast vier Millionen Flüchtlinge in der Türkei und die Lage hat sich auch dort in den letzten Jahren zugespitzt. In Griechenland … |
| Michael: | … Sag unseren Hörern, was genau die Türkei eigentlich will. Geld allein ist es jedenfalls nicht. |
| Jana: | Ok. Die EU hat gleich auch mehr Geld angeboten, aber das hat die Türkei abgelehnt. Vielleicht war es auch einfach nur zu wenig. Die Türkei will durchaus „mehr Hilfe“ für Flüchtlinge, aber der Hauptgrund scheint die Situation in Idlib zu sein. Wie du dich vielleicht erinnerst, hatten die USA ihre kurdischen Verbündeten in Syrien im Stich gelassen, sind von einem Tag auf den anderen einfach abgehauen und hatten dadurch ein Vakuum hinterlassen. Die Türkei hatte dann den Bär losgelassen. Sie starteten eine Offensive in den kurdischen Gebieten in Syrien, um ihren Erzfeind, die Kurden, so weit wie möglich zu vernichten. Dann wollten sie sogenannte „Safe Zones“ in kurdischen Gebieten anlegen und mit Flüchtlingen füllen. Dazu wollen sie jetzt die „Hilfe“ der EU, was auf eine Anerkennung der Invasion herausläuft. Anscheinend handelt es sich auch um eine militärische Katastrophe für die Türkei. Die Lage in Griechenland ist unübersichtlich. Es gibt wohl an die 10.000 Flüchtlinge - ein Warnschuss der Türkei. Griechenland versucht momentan, diese Flüchtlinge mit aggressiven Methoden zurückzuweisen. Es soll dabei Tote gegeben haben, was Griechenland bestreitet. Die Türkei beschuldigt Griechenland, Nazimethoden zu verwenden. Die EU hat Geld für Griechenland bereitgestellt, ansonsten aber keine Hilfe, wie üblich. Deine Ansicht, bitte? |
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| Jana: | Momentan dreht ja fast ganz Deutschland am Rad wegen dem Coronavirus. Es gibt mehr als 1200 Fälle, und allein Nordrhein-Westfalen verzeichnet etwa 500. Nur Sachsen-Anhalt ist noch nicht betroffen. Der Lufthansa-Konzern streicht seinen Flugplan um 50 Prozent zusammen, weil die Buchungen um mehr als fünfzig Prozent zurückgegangen sind. Das Personal wurde aufgefordert, freiwillig in Teilzeit zu gehen oder unbezahlten Urlaub einzureichen. Der Branchenverband IATA hat den möglichen Umsatzeinbruch im weltweiten Passagiergeschäft auf umgerechnet bis zu 100 Milliarden Euro geschätzt. Das sei in der Dimension mit der Finanzkrise von 2008/2009 vergleichbar. Und in Hessen und in Baden-Württemberg gibt es inzwischen Teststationen, an denen Menschen von ihrem Auto aus eine Probe entnehmen lassen können. Bundesliga-Spiele finden zwar noch statt, aber die Preisverleihung „Goldene Kamera“ wurde verschoben. |
| Michael: | Ich komme mir momentan wie in einem Katastrophenfilm vor! Der Weltuntergang ist nahe! Was denkst du denn über diese Maßnahmen? |
| Jana: | Also, ich finde das jetzt ein wenig übertrieben, vor allem, weil mein Sommerurlaub nun an einem seidenen Faden hängt. Ich muss noch meine Flugtickets buchen, aber ich bin mir nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt fliegen soll. Und was passiert, wenn die Flughäfen abgeriegelt werden? Und ich dann irgendwo in der Welt festsitze? |
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