Im Wandel der Zeit
Der Krieg ist aus, die Nazis sind besiegt (Berlin, Mai 1945)
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Und
auf einmal war es
vorbei. „Aus. Die Russen sind da. Wir sollen alle
rauskommen“ hieß es. Das war jetzt
gerade ein paar Tage
her und Hans konnte es noch nicht
glauben. Auch wusste er nicht, wie er sich fühlen sollte.
Seit Tagen irrte er durch die
Viertel seiner Stadt. Eine Stadt, die seit Generationen
erbaut wurde,
Krisen überlebt hatte und sich
dennoch immer wieder
neu erfand. Nun war sie
zerstört, völlig
ausgebrannt. Deutschland hatte den Krieg
verloren, das nationalsozialistische Regime war besiegt, Hitler war tot. Selbst Hans als
Kriegsdienstverweigerer und
Nazi-Gegner erlebte diese Tage mit
gemischten Gefühlen -
erleichtert,
überfordert,
besorgt und
wütend zugleich. Seine Wut
galt weniger den
Flugzeugen der Alliierten, die seine
Heimatstadt in
Schutt und Asche gebombt hatten, sondern
eher den
gewöhnlichen Menschen in der Stadt und im
gesamten Land, die so lange ignorant
weggesehen und damit
zugelassen hatten, dass es
so weit kommen konnte. Berlin war die Stadt des
Widerstandes gewesen. Hier war die
Einwohnerzahl Ende 1942 auf 4,4 Millionen
gestiegen. Man war anonym in der
Großstadt und fand
genügend Gleichgesinnte aus unterschiedlichen Milieus, um sich im Untergrund zu orga