| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 25. August 2022. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo zusammen! Hallo Robin! |
| Robin: | Hallo Jana! Hallo zusammen! |
| Jana: | Wir beginnen unser Programm mit einigen Nachrichten, die diese Woche Schlagzeilen gemacht haben. Zuerst werden wir die Spaltung innerhalb der Europäischen Union über ein vorgeschlagenes Einreiseverbot für Touristen aus Russland diskutieren. Danach sprechen wir über die Kritik an Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin, nachdem ein Video durchgesickert ist, auf dem sie beim Tanzen und Trinken auf einer privaten Party zu sehen ist. Im wissenschaftlichen Teil unseres Programms besprechen wir heute eine in der Zeitschrift Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie, die die langfristigen neurologischen und psychiatrischen Auswirkungen von Coronavirus-Infektionen aufzeigt. Und zum Schluss sprechen wir über die Entscheidung der italienischen Regierung, ein Rechtsverletzungsverfahren gegen Slowenien wegen Balsamico-Essig einzuleiten. |
| Robin: | Klingt gut, Jana. Im zweiten Teil unseres Programms, „Trending in Germany“, werden wir das Urteil eines deutschen Gerichts diskutieren. Das Gericht entschied, dass die Unfallversicherung eines nach einem Unfall schwer behinderten Mannes die Kosten für eine „Sexualassistentin“ decken muss. Sex gehört zu den grundlegendsten menschlichen Bedürfnissen, entschied der Richter. Wir werden außerdem darüber sprechen, ob Hygieneprodukte wie Binden und Tampons in öffentlichen Toiletten kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten. |
| Jana: | Vielen Dank, Robin. Wir wollen mit unserer ersten Nachrichtenstory beginnen. |
Die Länder der Europäischen Union sind geteilter Meinung über den Vorschlag, russischen Touristen die Einreise nach Europa zu verweigern. Einige Länder, wie Estland, haben bereits ihre eigenen Einreiseverbote erlassen. Estland hat viele zuvor ausgestellte Visa annulliert und die Ausstellung neuer Visa gestoppt. Allerdings kann Estland Personen mit Visa, die von anderen europäischen Ländern ausgestellt wurden, die Einreise nicht verweigern.
Deutschland und einige andere Länder lehnen ein pauschales Einreiseverbot ab. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz ist der Meinung, dass dies unfair gegenüber Russen ist, die gegen Wladimir Putin und seinen Krieg sind. Die EU-Kommission sagt, dass Dissidenten, Journalisten und deren Familien geschützt werden müssen.
Die größten Befürworter des Verbots sind die baltischen und osteuropäischen Länder. Finnland, Polen, Litauen und die Tschechische Republik haben die Zahl der Visa entweder drastisch reduziert oder die Ausstellung von Visa ganz eingestellt. Die Tschechische Republik, die derzeit den EU-Vorsitz innehat, hat das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Außenministertreffens gesetzt.
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Letzte Woche kursierten im Internet Videos, die die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin beim Tanzen mit Freunden und Prominenten auf einer privaten Party zeigten. Das löste eine Welle der Kritik aus. Marin wurde mangelnde Diensttauglichkeit vorgeworfen. Kurz darauf begannen Frauen aus der ganzen Welt, aus Solidarität ihre eigenen Partyvideos zu veröffentlichen.
Im Dezember 2019 wurde Marin die jüngste amtierende Regierungschefin der Welt. Sie ist jetzt 36 Jahre alt. In einer Erklärung vom 19. August bezeichnete Marin die Vorwürfe als „sehr ernst“. Sie versicherte, dass ihre Amtspflichten in der fraglichen Nacht in keiner Weise beeinträchtigt wurden.
In dieser Woche unterzog sich die Ministerpräsidentin einem umfassenden Drogentest, der eine große Anzahl verschiedener Betäubungsmittel nachweist. Der Test war negativ. Marin sagte, sie habe noch nie Drogen genommen und habe auch niemanden gesehen, der dies auf der von ihr besuchten Party getan habe. Sie gab jedoch zu, etwas Alkohol konsumiert zu haben.
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Am 17. August wurde in der Fachzeitschrift Lancet Psychiatry eine neue Studie über die negativen Auswirkungen von COVID-19 veröffentlicht. Die Forscher untersuchten die langfristigen neurologischen und psychiatrischen Auswirkungen von Coronavirus-Infektionen. Die Ergebnisse zeigen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Hirnerkrankungen zwei Jahre nach der Infektion.
Die Analyse wurde von Forschern der Universität Oxford durchgeführt. Sie stützte sich auf Gesundheitsdaten von mehr als einer Million Menschen weltweit. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass sich das Risiko für viele häufige psychiatrische Störungen, wie affektive Störungen und Angststörungen innerhalb weniger Monate nach der Infektion wieder normalisierte.
Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass die als „Long COVID“ bezeichneten unerwünschten Nebenwirkungen lange andauern können. Dazu zählt ein erhöhtes Risiko für Demenz, Epilepsie, Psychosen und kognitive Defizite zwei Jahre nach der Infektion. Die Forscher zeigen in ihrer Studie, dass sich bei Personen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, signifikante neuropsychiatrische Störungen entwickeln können.
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Letztes Jahr informierte Slowenien die Europäische Kommission über die Pläne des Landes zur „Standardisierung“ der Essigherstellung. Slowenien will jeden Weinessig, der mit konzentriertem Fruchtsaft oder Most vermischt ist, als „Balsamico-Essig“ vermarkten. Dieser Schritt belastet die Beziehungen zum Nachbarland Italien. Italien sieht darin eine Bedrohung der Tradition des italienischen Balsamico-Essigs aus Modena.
Die italienische Regierung hat die italienische Staatsanwaltschaft ermächtigt, ein Rechtsverletzungsverfahren gegen Slowenien einzuleiten. Die Bezeichnung Aceto balsamico di Modena (Balsamico-Essig aus Modena) gibt es seit 2009. Sie darf nur von Herstellern in Modena und der Region Emilia-Romagna verwendet werden.
Das slowenische Landwirtschaftsministerium weist die Vorwürfe Italiens als unbegründet zurück. Slowenien besteht darauf, dass zwar die Bezeichnung Aceto Balsamico di Modena geschützt ist, nicht jedoch nichtgeografische Begriffe wie „Aceto“ und „balsamico“. Im Jahr 2019 hatte der Europäische Gerichtshof in einem ähnlichen Fall zugunsten deutscher Balsamico-Essig-Hersteller entschieden.
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| Jana: | Anscheinend gibt es ein Recht auf Sex. Ein 39-jähriger schwerbehinderter Mann hatte seine Unfallversicherung verklagt, die sich geweigert hatte, für seine „Sexualbegleiterin“ zu zahlen. Das Sozialgericht Hannover hat die Versicherung jetzt dazu verdonnert, die Kosten von etwa 720 Euro im Monat zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Sex gehöre zu den grundlegendsten menschlichen Bedürfnissen“, entschied der Richter. Eine selbstbestimmte Sexualität sei wichtig für die soziale Eingliederung behinderter Menschen. Eine „Sexualbegleiterin“ ist eine auf die Befriedigung behinderter Menschen spezialisierte Person. Der Service reicht von Streicheleinheiten über erotische Massagen bis hin zum Geschlechtsverkehr. Was denkst du, Robin? Gibt es deiner Meinung nach ein Recht auf Sex? |
| Robin: | Nur in Deutschland! Also, ich habe ein paar Fragen. Es gibt Millionen Menschen in Deutschland und anderswo, die ohne Sex leben. Ich kenne beispielsweise eine Frau, die ist 93, und ich weiß, dass sie seit mindestens 30 Jahren keinen Sex mehr hatte, und das nicht freiwillig. Es wird eine Menge Leute ohne Behinderung geben, die unfreiwillig nie Sex haben. |
| Jana: | Das ist in der Tat ein guter Punkt. |
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| Robin: | In öffentlichen Gebäuden wie im Museum, Theater, am Flughafen oder auf dem Amt kann man selbstverständlich die Toilette benutzen. Das bringt in den meisten Fällen schon eine Erleichterung. Doch ein wichtiges Anliegen scheint bis jetzt nicht berücksichtigt worden zu sein. Die „BZ“ aus Berlin fordert, dass auf allen öffentlichen Toiletten Hygieneartikel wie Tampons oder Damenbinden gratis zur Verfügung stehen. Klopapier gäbe es ja auch kostenlos. Und es sei ja nicht so, dass Frauen sich das mit dem Blut ausgesucht hätten, schreibt die Autorin schnippisch im Artikel „Gratis Tampons und Binden immer und überall“ vom 17. August. Es gäbe kaum kostenlose Hygieneartikel auf öffentlichen Toiletten. Und eine Umfrage habe ergeben, dass jede vierte Frau in Deutschland finanzielle Schwierigkeiten hätte, sich mit Menstruationsartikeln zu versorgen. |
| Jana: | Die Idee finde ich gut. Es ist längst überfällig, dass es so etwas gibt. Tampons und Binden sind ein Grundbedürfnis von Frauen. Viele Männer können das wahrscheinlich nicht verstehen. |
| Robin: | Doch, doch! Also, ich kann das verstehen. Aber meinst du, der Vorschlag ist wirklich sinnvoll? Würden die Sachen nicht immer geklaut werden? |
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