| Bettina: | Heute ist Donnerstag, der 18. August 2022. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo zusammen! Hallo Robin! |
| Robin: | Hallo Bettina! Hallo zusammen! |
| Bettina: | Wir beginnen unser Programm mit einigen Nachrichten, die diese Woche Schlagzeilen gemacht haben. Als Erstes werden wir die Lage in Afghanistan ein Jahr nach dem Abzug der US- und NATO-Streitkräfte diskutieren. Dann sprechen wir darüber, wie das Attentat auf den bekannten Schriftsteller Salman Rushdie am vergangenen Freitag die Debatte über die Meinungsfreiheit wiederbelebt hat. Im wissenschaftlichen Teil unseres Programms geht es heute um den 29. Juni 2022, den kürzesten Tag auf der Erde seit Beginn der Atomuhr-Messungen. Und zum Schluss sprechen wir über die Forderungen einer zunehmenden Zahl von Verbrauchern nach Informationen zur Kohlenstoff-Bilanz auf Lebensmitteletiketten und Speisekarten von Restaurants. |
| Robin: | Klingt gut, Bettina! Im zweiten Teil unseres Programms, „Trending in Germany“, werden wir über REWE, Deutschlands zweitgrößten Lebensmitteleinzelhändler, sprechen, wo neuerdings Konserven im DDR-Look verkauft werden. Diese Konserven kann man auch über Amazon und andere Online-Geschäfte bestellen. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sieht darin eine Verharmlosung der DDR-Verbrechen. Wir werden außerdem über Schwimmbäder diskutieren, die in Deutschland für wenig Geld von allen genutzt werden können. Der Gasmangel und die steigenden Kosten haben jetzt die Diskussion angestoßen, dass Schwimmbäder geschlossen werden sollten. Es gibt jedoch viele Gründe, warum Schwimmbäder wichtig sind. |
| Bettina: | Danke, Robin. Wir wollen mit unserer ersten Nachrichtenstory beginnen. |
Vor einem Jahr am 15. August haben sich die USA und die NATO endgültig aus Afghanistan zurückgezogen. Nach dem Abzug nahmen die Taliban in kürzester Zeit die Hauptstadt Kabul und den Rest des Landes ein. Sie kontrollieren nun ein geteiltes Land mit einer zusammengebrochenen Wirtschaft, weit verbreitetem Hunger und Verletzungen der Menschenrechte.
Die Machtübernahme durch die Taliban stürzte Afghanistan in eine Krise. Finanzhilfe aus dem Westen wurde gekürzt. Washington fror die Guthaben der afghanischen Zentralbank ein. Innerhalb weniger Wochen schlossen Geschäfte, Afghanen konnten kein Geld mehr von ihren Bankkonten abheben, und Gehälter konnten nicht mehr ausgezahlt werden. Unterernährung wurde zu einem großen Problem; Mütter kommen mit ausgehungerten Babys in die Krankenhäuser.
Die Interpretation des Islam durch die Taliban ist besonders strikt für Frauen und Mädchen. Die meisten Mädchen dürfen keine weiterführenden Schulen besuchen. Frauen dürfen keine langen Strecken allein reisen. Doch die Taliban sprechen gerne über Verbesserungen: Mehr Jungen und Mädchen besuchen jetzt die Grundschule, und zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es in Afghanistan relative Sicherheit.
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Am Freitag wurde Salman Rushdie auf einer Veranstaltung in der Chautauqua-Institution im Westen des Bundesstaates New York mit zehn Messerstichen niedergestochen. Er hatte gerade die Bühne betreten, um eine Rede zu halten. Nach dem Attentat wurde er in ein Krankenhaus gebracht und musste an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Nach einer Notoperation befindet er sich nun auf dem Weg der Besserung, sein Zustand ist jedoch weiterhin ernst.
Salman Rushdie ist der Autor des Romans „Die satanischen Verse“, der 1988 veröffentlicht wurde. Das Buch verärgerte Muslime wegen der Darstellung des Propheten Mohammed. Viele Muslime sahen darin Blasphemie. 1989 verkündete der iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini eine Fatwa und ordnete die Ermordung von Rushdie an. 1998 erklärte die iranische Regierung jedoch, dass sie die Fatwa nicht mehr unterstütze.
Aber auch im Westen wurde Salman Rushdies Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung nicht von allen akzeptiert. Er wurde vielfach dafür kritisiert, Muslime zu beleidigen. Trotzdem haben viele Schriftsteller und führende Politiker der Welt nach dem Attentat in der vergangenen Woche ihre Solidarität mit Rushdie bekundet.
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Am 29. Juni haben Wissenschaftler vom International Earth Rotation and Reference Systems Service den kürzesten Tag auf der Erde seit der Erfindung der Atomuhr gemessen. Die Erdrotation war 1,59 Millisekunden kürzer als ein normaler 24-Stunden-Tag.
Eine Rotation ist die Zeitspanne, die die Erde braucht, um sich einmal um ihre Achse zu drehen. Sie dauert etwa 86.400 Sekunden. Erdrotationen haben nicht immer die gleiche Länge. Vor 70 Millionen Jahren dauerte ein Tag nur 23,5 Stunden. Seit 1820 haben Wissenschaftler dokumentiert, dass sich die Erdrotation verlangsamt. Doch in den letzten Jahren begann sie sich wieder zu beschleunigen.
Eine der möglichen Erklärungen ist der Klimawandel. Die Erde ist nicht ganz rund. Am Äquator ist sie etwas breiter als um die Pole gemessen, denn die Gletscher am Nord- und Südpol üben Druck auf die Erdkruste aus. Durch das Abschmelzen der Polkappen verringert sich der Druck auf die Ober- und Unterseite der Erde. Dadurch bewegt sich die Erdkruste dort nach oben, was die Länge des Äquators verkürzt. Die Erde wird runder und die Rotationsgeschwindigkeit erhöht sich.
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Verbraucher wünschen sich Angaben zur Kohlenstoff-Bilanz auf Lebensmitteletiketten und Speisekarten von Restaurants
Unternehmen und Privatpersonen interessieren sich zunehmend für Informationen über Kohlenstoffemissionen. Gleichzeitig möchten Verbraucher auf der Grundlage der Umweltauswirkungen eines Produkts informierte Entscheidungen treffen. Aus diesem Grund verwenden viele Hersteller von Konsumgütern inzwischen Öko-Label, um Verbraucher über die Kohlenstoff-Bilanz ihrer Produkte oder Leistungen zu informieren. So bieten zum Beispiel viele große Fluggesellschaften Informationen über die Emissionen ihrer Flüge an.
Es ist auch allgemein bekannt, dass die Landwirtschaft und der Lebensmittelkonsum in die Strategie zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen einbezogen werden müssen. Viele Verbraucher möchten wissen, wie sich ihr wöchentlicher Lebensmitteleinkauf auf die Umwelt auswirkt. Sie suchen nach umweltfreundlichen Etiketten, um ihre Kohlenstoff-Bilanz zu verbessern.
Um diesem Wunsch nachzukommen, suchen Lebensmittelhersteller und Supermärkte nach zuverlässigen Systemen für Öko-Labels. Einige Restaurants beginnen jetzt, Informationen über die Kohlenstoff-Bilanz in die Speisekarte aufzunehmen. Forscher und Wissenschaftler arbeiten an Algorithmen, um die Daten zu sammeln, die für diese Öko-Labels
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| Bettina: | Die Ostalgie nimmt in Ostdeutschland wohl völlig neue Ausmaße an. Zwei Unternehmen aus Sachsen-Anhalt bieten seit Jahren Konserven im DDR-Look an, die in Online-Geschäften und auch bei Amazon vertrieben werden. Auf der Konserve „Schulküchen-Soljanka“ beispielsweise sieht man lachende Kinder in Pionieruniform. Dahinter ist das DDR-Staatswappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz zu sehen. Die Nachfrage nach diesen Produkten ist riesig und kann allem Anschein nach kaum bedient werden. Das hat auch Deutschlands zweitgrößter Lebensmitteleinzelhändler REWE entdeckt, der solche Produkte jetzt in Ostdeutschland und auch in Ost-Berlin vertreibt. REWE verkauft beispielsweise die „NVA-Feldsuppe“. Zur Erinnerung, die Nationale Volksarmee (oder NVA) war zu DDR-Zeiten für die vielen Morde an der Mauer verantwortlich. Die Bundesstiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur sieht hier eine unverschämte Verharmlosung der DDR-Diktatur. REWE bezog Stellung und meinte, der Konzern folge lediglich den Wünschen seiner Kunden. Robin, werden die Verbrechen der DDR durch diese Konserven verharmlost? |
| Robin: | Nee, ach was! Diese ganze Konserven-Nostalgie geht mir ja sowieso nicht weit genug. Also, ich plädiere ja schon seit Jahren für den Erlebnispark „DDR“. Ich denke, um den Staat Sachsen, zum Beispiel, könnte man eine riesige Mauer bauen. Mit Todesstreifen und allem drum und dran … |
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| Robin: | Öffentliche Schwimmbäder gibt es flächendeckend in ganz Deutschland, auch in kleineren Städten. Alle Menschen können für einen relativ geringen Eintrittspreis in das nächste Freibad oder Hallenbad gehen. Da die Kosten durch den Eintritt nicht annähernd gedeckt werden können, werden die Bäder hauptsächlich durch Steuergelder finanziert. Dies wird jetzt eine teure Angelegenheit, denn die Heizkosten sind enorm gestiegen. Manche fordern, dass Schwimmbäder deshalb geschlossen werden sollten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat eine interessante Meinung dazu. Im Artikel „Ab ins Freibad“ vom 10. August schreibt die Zeitung, dass Schwimmbäder therapeutische Anstalten wären, die nicht dem Gasmangel zum Opfer fallen dürften. Denn hier würden wir lernen, dem körperlichen Optimierungszwang zu trotzen. Und dass weder Wampen noch Muskelmassen an der Gleichheit der Menschen etwas ändern würden. Bei einem Besuch im Schwimmbad würden viele Menschen erkennen, dass niemand ihren Körper so kritisch beäuge, wie sie selbst. |
| Bettina: | Das ist tatsächlich eine interessante Sichtweise. Ich bezweifle aber, dass es der Hauptzweck von Schwimmbädern ist. |
| Robin: | Ich liebe Schwimmbäder, früher war ich fast jeden Tag mit Freunden im Freibad. Wir sind meistens gleich nach der Schule hingefahren. |
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