Armut beeinflusst die Entwicklung des Gehirns von Kindern stärker als andere Faktoren
Eine wegweisende Studie, die am vergangenen Donnerstag in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, zeigt, dass das sozioökonomische Umfeld eines Kindes dessen Gehirnentwicklung stärker prägt als jeder andere Faktor. Die Wissenschaftler analysierten Gehirnscans von 12.000 Kindern im Alter von 9 bis 10 Jahren und berücksichtigten dabei Hunderte von biologischen, psychologischen, sozialen und umweltbedingten Faktoren.
Die Studie zeigt, dass die finanzielle Situation und die Ressourcen im Umfeld eines Kindes den stärksten Einfluss sowohl auf die Gehirnstruktur als auch auf die Gehirnfunktion haben. Diese Faktoren sind bei weitem bedeutsamer als der IQ, der Erziehungsstil oder die gesundheitliche Vorgeschichte. Insgesamt machten sozioökonomische Faktoren etwa 16 % der Variabilität in der Gehirnfunktion aus.
Die Studie ergab außerdem, dass eine sozioökonomische Benachteiligung das Gehirn eines Kindes indirekt beeinflusst, da diese Kinder unter höherem Stress stehen und oft weniger Schlaf bekommen. Nachdem die Forscher die Daten um den sozioökonomischen Status bereinigt hatten, verschwanden die Verbindungen zwischen IQ und den Funktionsmerkmalen des Gehirns weitgehend.