| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 24. Dezember 2020. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“! Wir wünschen allen Hörern, die Weihnachten feiern, ein frohes Weihnachtsfest! 2020 ist ein sehr ungewöhnliches Jahr. Die meisten von uns werden Weihnachten dieses Jahr nicht mit ihrer Familie feiern. Aber so traurig es auch ist – es ist besser, auf Nummer sicher zu gehen und Familienangehörige und Freunde zu schützen. |
| Michael: | Hallo allerseits! Da hast du recht, Jana. Rufen Sie Ihre Familie an, organisieren Sie ein virtuelles Weihnachtsessen, schicken Sie Geschenke. Aber bleiben Sie zu Hause! |
| Jana: | Apropos Geschenke ... |
| Michael: | ... Wie wäre es mit einem Geschenk-Abo für „News in Slow German“ oder für ein Programm für eine unserer anderen Sprachen: Spanisch, Italienisch und Französisch! So können Ihre Familie und Freunde über die Feiertage in Verbindung und gleichzeitig gesund bleiben. Verschenken Sie das Erlebnis, eine neue Sprache zu lernen oder Sprachkenntnisse zu vertiefen! |
| Jana: | Danke Michael! Wir beginnen den ersten Teil unseres Programms mit der Entdeckung einer neuen Variante des Coronavirus in Großbritannien, die sehr viel ansteckender ist als frühere Stämme des Virus. Danach sprechen wir über die Ermittlungen der französischen Polizei gegen die Verfasser einer Reihe von antisemitischen Tweets, die an die Zweitplatzierte des „Miss France“-Wettbewerbs gerichtet waren. Anschließend besprechen wir die Ergebnisse einer Analyse von Stoßzähnen aus Elfenbein, die in einem Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert gefunden wurden. Und zum Abschluss des ersten Teils unseres Programms sprechen wir über den meistverdienenden YouTube-Influencer, einen neunjährigen Jungen aus Texas. |
| Michael: | Okay, Jana! Und worum geht es diese Woche im zweiten Teil unseres Programms: „Trending in Germany“? |
| Jana: | Diese Woche werden wir über den „harten“ Lockdown sprechen, der bis Januar in Kraft bleiben wird, da die Zahl der Coronavirus-Fälle und der Todesfälle in Deutschland zugenommen hat. Außerdem sprechen wir über die schwierigen Entscheidungen, die das Krankenhauspersonal treffen muss, wenn die Zahl der COVID-19-Patienten die Krankenhaus-Kapazitäten übersteigt. |
| Michael: | Danke, Jana! |
| Jana: | Okay, Michael! Los geht's! |
Am 18. Dezember wurde bekanntgegeben, dass in Großbritannien eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden ist. Es gibt Hinweise darauf, dass dieser neue Stamm bis zu 70 % ansteckender ist als Stämme, die gegenwärtig im Umlauf sind. Nach Angaben der Behörden gibt es bisher jedoch keine Anzeichen, dass die neue Virus-Variante schwerere Krankheitsverläufe auslöst oder dass Impfstoffe oder Coronavirus-Behandlungen weniger wirksam sind.
Der neue Virusstamm zwang die britische Regierung, in London und im Süden Englands strengere Lockdown-Maßnahmen zu verhängen und sogar Familientreffen weiter zu beschränken. Inzwischen wurde die neue Variante auch in Dänemark, den Niederlanden und Australien gefunden.
Am letzten Wochenende und bis in diese Woche hinein haben über 30 Länder, darunter Italien, Irland, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Indien, China, Norwegen und die Schweiz Reisen nach und aus Großbritannien eingeschränkt oder verboten. Der Eurotunnel nach Frankreich ist geschlossen und die Eurostar-Züge nach Belgien verkehren ebenfalls nicht.
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Auf der Abschlussveranstaltung des Miss France-Wettbewerbs 2021 am 18. Dezember erwähnte die Zweitplatzierte April Benayoum, dass sie die Tochter eines Israelis ist. Diese Offenbarung brachte ihr antisemitische Bedrohungen auf Twitter ein, die polizeiliche Ermittlungen nach sich zogen. Die Tweets wurden von französischen Politikern und jüdischen Organisationen scharf verurteilt. Einige der Organisationen haben Klage eingereicht.
Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin sagte, er sei „zutiefst schockiert“ über die Kommentare und erklärte, dass „die Polizei und die Gendarmerie mobilisiert“ seien. Die Ministerin für Staatsbürgerschaftsangelegenheiten, Marlène Schiappa, erklärte, sie werde einen Bericht an die Staatsanwaltschaft senden.
Mit rund einer halben Million Menschen hat Frankreich die größte jüdische Gemeinde in Europa. In jüngster Zeit kam es dort zu einer Reihe von antisemitischen Übergriffen. Die französische Regierung steht unter Druck, gegen die Diskriminierung und Gewalt gegen Juden vorzugehen.
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Vor mehr als zehn Jahren wurde vor der Küste Namibias ein Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert mit über einhundert gut erhaltenen Stoßzähnen aus Elfenbein gefunden. Ein Team aus Archäologen, Genetikern, Historikern und Ökologen hat nun die Herkunft dieser Stoßzähne bis zu den Waldelefanten Westafrikas zurückverfolgt und dabei einige wichtige Entdeckungen gemacht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden am 17. Dezember in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht.
Die Untersuchung der einhundert Stoßzähne bestätigte, wie sehr der jahrhundertelange Elfenbeinhandel die Elefantenpopulationen Afrikas dezimiert hat. Mit Hilfe genetischer Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass die Stoßzähne von mindestens 17 nicht miteinander verwandten Elefantenherden stammten, von denen es jetzt nur noch vier in Afrika gibt.
Die heutigen afrikanischen Waldelefanten leiden noch immer unter den Schäden, die ihnen die Menschen durch Wilderei, Abholzung und Zerstörung des Lebensraums zugefügt haben. Von 2002 bis 2011 ist die Population der Waldelefanten um 62 Prozent gesunken. Schätzungen zufolge gibt es heute nur noch weniger als 100.000 Tiere.
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YouTube-Star Ryan Kaji aus Texas hat 2020 mit dem Bewerten von Spielen und Spielzeug auf seinem Kanal „Ryan's World“ 29,5 Millionen Dollar (24,7 Millionen Euro) verdient. Damit war er das dritte Jahr in Folge der bestbezahlte Influencer auf der Videoplattform. Laut Forbes verdiente Kaji 2019 26 Millionen Dollar und 2018 22 Millionen Dollar.
Zusätzlich machte der neunjährige Texaner mit dem Verkauf von Spielzeug und Kleidung der Marke „Ryan's World“ geschätzte 200 Millionen Dollar (163 Millionen Euro). Die Familie Kaji betreibt neun YouTube-Kanäle. Mit fast 42 Millionen Abonnenten und über 12 Milliarden Besuchen ist „Ryan's World“ der beliebteste davon.
Aufgrund einer Klage der Verbraucherschutzorganisation „Truth In Advertising“ hat die US-Kartellbehörde nun eine Untersuchung gegen das Unternehmen Kaji eingeleitet. In der Klageschrift heißt es, dass die Sponsoren der Videos nicht immer klar offenbart werden und dass manche Spielzeugbewertungen bezahlte Produktempfehlungen enthalten, die sich direkt an Vorschulkinder richten.
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| Jana: | Seit letzter Woche Mittwoch gibt es in ganz Deutschland einen sogenannten „harten Lockdown“ bis mindestens zum 10. Januar, obwohl es für das Weihnachtsfest Ausnahmen geben wird. Natürlich sind die Regeln mal wieder nicht einheitlich. Manche Bundesländer haben härtere Regeln, manche bleiben unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Schulen und Kitas sind nun mit wenigen Ausnahmen geschlossen. Unternehmen sollen Betriebsferien ausrufen oder das Homeoffice ermöglichen, damit Menschen zu Hause bleiben können. Restaurants und Cafés bleiben zu, können aber Essen außer Haus verkaufen, das aber nicht vor dem Restaurant gegessen werden darf. Von nicht zwingend notwendigen Reisen wird abgeraten. Der Einzelhandel ist in weiten Teilen zu. |
| Michael: | Ich glaube, der größte Teil des Einzelhandels bleibt offen. Da musst du schon lange suchen, bis du ein Geschäft findest, das nicht unter eine Ausnahme fällt. |
| Jana: | Geschlossen sind Friseursalons, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios oder ähnliches, Kaufhäuser und so Sachen wie Klamotten- Möbel- oder Schuhgeschäfte. Aber ich weiß, was du meinst. Ich habe ungefähr 20 Branchen gezählt, die als notwendig gelten. So zum Beispiel Reinigungen und auch Weihnachtsbaumstände. Private Treffen sind auch weiterhin auf zwei Haushalte und maximal fünf Personen beschränkt. Kinder unter 14 werden hier nicht mitgezählt. Für das Weihnachtsfest wird das alles dann zwischen dem 24. und dem 26. Dezember aufgeweicht. Dann darf es vier weitere Personen geben, allerdings müssen die auch zum direkten Familienkreis gehören. Die Bundesregierung folgt hier anscheinend noch der Definition der “Familie” aus den 50iger Jahren. Sylvester gibt es dann das Böllerverbot. Viele Bundesländer haben darüber hinaus eine nächtliche Ausgangssperre – in Bayern gilt diese auch tagsüber – die nicht ohne einen triftigen Grund gebrochen werden kann. Bei Verstößen gibt es empfindliche Bußgelder. Wird das reichen, Michael? |
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| Michael: | Die Corona-Zahlen in Deutschland sind auf dem Niveau vom Beginn der Krise, wenn nicht sogar noch höher. Die Anzahl der intensivmedizinisch behandelten COVID-19-Patienten steigt weiter an. Bis jetzt waren genug Personal und medizinische Geräte vorhanden. Doch wenn die Lockdown-Maßnahmen über Weihnachten und den Jahreswechsel keine Wirkung zeigen, kann es dazu kommen, dass nicht mehr alle Menschen in den Krankenhäusern ausreichend versorgt werden können. Einige Hospitäler pfeifen schon jetzt auf dem letzten Loch. Der Begriff „Triage“ drückt die Notsituation aus, bei der die Ärzte entscheiden müssen, welche Patienten eine lebensrettende Behandlung zuerst bekommen. „Der Gesetzgeber schweigt dazu. Das darf nicht so bleiben“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ am 16. Dezember im Artikel „Das Recht darf die Ärzte nicht allein lassen.“ In solchen ethischen Extremsituationen bräuchten die Mediziner Hilfe vom Recht. Denn sonst würden die Ärzte einem unangemessenen Druck ausgesetzt und es würde Angehörigen schwerfallen, Entscheidungen in Extremsituation zu akzeptieren. Doch das Recht mache es sich hier zu einfach. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es im Grundgesetz. Daraus folgt, dass Menschenleben nicht gegeneinander aufgerechnet werden dürfen. |
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