Literaturnobelpreis für die französische Autorin Annie Ernaux
Am vergangenen Donnerstag wurde die französische Schriftstellerin Annie Ernaux mit einer der höchsten Literaturauszeichnungen geehrt. Die Königlich-Schwedische Akademie verlieh ihr den Nobelpreis für Literatur „für die Courage und die analytische Präzision, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Zwänge der persönlichen Erinnerung aufdeckt“.
Seit Jahrzehnten nimmt Annie Ernaux die demütigendsten, privatesten und skandalösesten Momente aus ihrer Vergangenheit unter die Lupe. Sie schrieb über ihr Aufwachsen in einer kleinen Stadt in der Normandie, eine illegale Abtreibung in den 1960er Jahren, ihre Unzufriedenheit mit dem häuslichen Leben und eine leidenschaftliche außereheliche Affäre.
Ernaux erlebte 1992 einen großen kommerziellen Erfolg mit einem Buch, in dem sie ihre Affäre mit einem verheirateten ausländischen Diplomaten beschrieb. Das Buch empörte die Konservativen in Frankreich wegen seiner unverhohlenen Darstellung des weiblichen Begehrens. Bei den Lesern war es jedoch beliebt, weil es sexuelles Verlangen ohne moralische Wertung darstellte.