Peter Handke erhält Nobelpreis für Literatur inmitten von Protest
26 December 2019
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| Jana: | Es ist tatsächlich passiert. Peter Handke hat den Nobelpreis für Literatur eingesackt. Es gab riesige Proteste in Stockholm und die Wahl des österreichischen Autors ist international auf großen Widerstand gestoßen. Handke gilt zwar als literarisches Genie, ist aber international hauptsächlich dafür bekannt, den Genozid in Bosnien-Herzegowina immer wieder so weit wie möglich heruntergespielt zu haben. |
| Michael: | Vergiss nicht, dass er auf der Beerdigung von Milosevic, den man wegen schlimmer Kriegsverbrechen angeklagt hatte und der während seines Prozesses gestorben war, eine Grabrede gehalten hat. |
| Jana: | Das wollte ich auf keinen Fall vergessen. Die Türkei, Kosovo und Albanien haben die Zeremonie boykottiert. In Kosovo ist Handke jetzt offiziell nicht mehr erwünscht. Überall fielen Worte wie „beschämend“ und „fürchterlich“. Gefreut haben sich eigentlich nur die Serben, nationalistisch gesinnte Österreicher, einige Literaturfreunde und der österreichische Bundeskanzler Kurz. Der Nobelpreis ist ja mittlerweile bekannt für sehr kontroverse und unkonventionelle Preisträger, aber so kontrovers war es selten, nicht mal bei Arafat. Handke ist in der Literaturszene nicht nur das Enfant Terrible, sondern auch geständiger Frauenschläger. In einem Interview aus dem Jahre 1999 bezeichnet Handke die NATO als kriminell und verglich die sogenannte Tragödie der Serben, allgemein wegen Kriegsverbrechen angeprangert, mit dem Schicksal der Juden. Bei seiner Preisrede fiel das Wort Serbien übrigens kein einziges Mal. Keine Erklärung, keine Entschuldigung. Aber das war ja auch nicht zu erwarten. |