Kannibalismus nicht durch Hunger motiviert, sagen Forscher
Der Kannibalismus und die Frage, was Menschen dazu bewegt, ihre Artgenossen zu verzehren, fasziniert Anthropologen seit langer Zeit. In einer am vergangenen Donnerstag in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Studie über prähistorischen Kannibalismus heißt es, dass dieser Brauch in den meisten Fällen nicht durch Hunger sondern durch soziale und kulturelle Faktoren motiviert war.
James Cole, ein Anthropologe an der University of Brighton in England, analysierte, wie viele Kalorien ein etwa 50 Kilo schwerer prähistorischer Mensch hatte. Er stellte fest, dass Menschenfleisch verglichen mit anderen Tieren, die damals gejagt wurden, einen relativ niedrigen Nährwert hat. Mit etwa 144.000 Kalorien hätte ein Mensch seinen Stamm mit weit weniger Kalorien versorgt als beispielsweise eine prähistorische Kuh, ein Bison oder anderes Jagdwild. Demnach wäre Kannibalismus eine ineffiziente Strategie der Kalorienzufuhr gewesen, insbesondere da prähistorische Menschen einen höheren Kalorienbedarf hatten.
Die Gründe für Kannibalismus sind nach wie vor unklar. In einigen Fällen könnte Kannibalismus durch eine Hungersnot ausgelöst worden sein; in anderen Fällen war der Brauch vi