| Jana: | Dass Klassiker wie Goethe Teil des Deutschunterrichts an deutschen Schulen sind, ist klar. Einige Lehrer nehmen wohl auch zeitgenössische Literatur mit in ihren Unterricht auf. Doch der Schülerrat einer Offenbacher Schule hat noch eine andere Idee. Sie wollen, dass das Leben und die Musik des Rappers „Haftbefehl“ thematisiert werden. In der Begründung hieß es, die Sprache und die Themen des Musikers spiegelten die Realität wider, die junge Menschen täglich in der Stadt erleben. |
| Michael: | Ist „Haftbefehl“ nicht eigentlich einer von diesen sogenannten „Gangster-Rappern“? |
| Jana: | Das könnte man durchaus so bezeichnen. Seine Texte handeln hauptsächlich vom Leben im kleinkriminellen Milieu. Also, zum Beispiel von der Herstellung und Verbreitung von Drogen und wie man Waffengewalt anwendet. |
| Michael: | Das kann doch wohl nicht der Ernst der Offenbacher Schülerschaft sein, darüber im Deutschunterricht diskutieren zu wollen. |
| Jana: | Naja, sieh’ es mal so. Erstens ist Rap, also Sprechgesang, eine Form von Lyrik. Und zweitens behandeln die Texte oft alltägliche gesellschaftliche Thematiken und Probleme. |
| Michael: | So wie ich den Inhalt von Musikstücken in diesem Genre wahrnehme, geht es eigentlich immer ziemlich plakativ um Drogen- und Gewaltverherrlichung. Es scheint mir immer so, als ob die Rapper nur deshalb bekannt wurden, weil sie mehr Glück als Verstand haben. Ich weiß nicht, wo in den Texten eine tiefere Botschaft stecken soll. |