| Hanna: | Auf einer Kirchenorgel in Halberstadt wird zurzeit ein ganz besonderes Musikexperiment durchgeführt. Es wird ein Stück des amerikanischen Komponisten John Cage gespielt, der bekannt für seine außergewöhnlichen Kompositionen ist. Laut Spielanweisung soll so langsam wie möglich gespielt werden. Das Konzert begann am 5. September 2001 und endet am 4. September im Jahr 2640. |
| Jana: | Ein Konzert, das Generationen überspannt! Das finde ich Klasse. |
| Hanna: | Die meisten Menschen würden dieses Klangexperiment wahrscheinlich weniger als ein Konzert bezeichnen als zum Beispiel einen Auftritt eines Singer-Songwriters oder einer Metal-Band. |
| Jana: | Für Normalität war John Cage ja auch nicht bekannt. Bei der Uraufführung seines Stückes „4:33“ saß er zwar an einem Flügel, spielte aber 4 Minuten und 33 Sekunden lang keinen Ton. Der Inhalt des Konzertes bestand also eher aus den Publikums- und Umgebungsgeräuschen. |
| Hanna: | Für die Besucher war das sicherlich nicht das Show-Erlebnis, das sie erwartet hatten. Und wie funktioniert das Stück in Halberstadt? Es wird doch wohl niemand die ganze Zeit an der Orgelklaviatur sitzen. |
| Jana: | Natürlich nicht. Bei einer Orgel lässt sich diese Spielanweisung in einer irrwitzigen Art und Weise interpretieren. Der Ton eines Klaviers zum Beispiel verklingt nach einer Weile. Die Tonerzeugung der Orgelpfeifen funktioniert anders, und der Ton kann theoretisch ewig gehalten werden. |