| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 27. Mai 2021. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres wöchentlichen Programms „News in Slow German“ für Fortgeschrittene! Hallo zusammen! Hallo Michael! |
| Michael: | Hallo Jana. Ein herzliches Willkommen an alle unsere Hörer! |
| Jana: | Im ersten Teil unseres Programms werden wir über einige Nachrichten diskutieren, die diese Woche Schlagzeilen gemacht haben. Wir sprechen über das Abfangen eines kommerziellen Ryanair-Fluges durch die belarussischen Behörden am Sonntag. Danach diskutieren wir einen Bericht über ethnische Diskriminierung durch die Polizei in europäischen Ländern, der am 25. Mai von der EU-Agentur für Grundrechte veröffentlicht wurde. Wir sprechen über den Verkauf von Einsteins handgeschriebenem Brief mit der berühmten E=mc2-Gleichung für 1,2 Millionen Dollar in einem Bostoner Auktionshaus. Und wir beenden den ersten Teil unseres Programms mit dem Eurovision Song Contest 2021. |
| Michael: | Vielen Dank, Jana. Weiter geht es mit der Ankündigung für den zweiten Teil unseres Programms, „Trending in Germany“. Worüber werden wir diese Woche sprechen? |
| Jana: | Wir werden unsere Diskussion zum Thema Eurovision Contest 2021 fortsetzen. Insbesondere wird es um den extrem peinlichen englischsprachigen Song „I don't feel hate, (I just feel sorry)“ von Jendrik Sigwart gehen, der dieses Jahr Deutschland vertreten hat. Deutschland wurde übrigens Vorletzter. Und wir werden über die Entscheidung von Mercedes sprechen, den Smart als Zweisitzer-Modell auslaufen zu lassen und als SUV weiterzuführen. Aber ist das zeitgemäß? |
| Michael: | Klingt gut, Jana. Lass uns beginnen! |
| Jana: | Vielen Dank, Michael. Los geht‘s! |
Am Sonntag leiteten die belarussischen Behörden den Ryanair-Flug 4978 unter dem Vorwand einer Bombendrohung um. Das Flugzeug von Athen in Griechenland nach Litauen wollte gerade seinen Landeanflug auf den Flughafen von Vilnius beginnen, wurde stattdessen aber von einem belarussischen Kampfjet nach Minsk, der Hauptstadt von Belarus, umgeleitet. Nach der Landung des Flugzeugs verhafteten die Behörden den belarussischen oppositionellen Journalisten Raman Protassewitsch, der sich an Bord befand.
Die Präsidentschaftswahlen in Belarus im August 2020 haben eine Welle friedlicher Proteste ausgelöst. Social-Media-Plattformen, darunter der von Raman Protassewitsch betriebene Kanal NEXTA im Onlineservice Telegram, waren maßgeblich an der Organisation dieser Proteste beteiligt. Für die belarussische Regierung sind die Organisatoren der Proteste gesuchte Terroristen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die erzwungene Landung und die Verhaftung eine „völlig inakzeptable Entführung“. Der Präsident von Litauen, wo Protassewitsch derzeit lebt, bezeichnete die Aktion als „Staatsterrorismus“. US-Präsident Biden sprach von einem „direkten Affront gegen internationale Normen“.
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Am 25. Mai veröffentlichte die EU-Agentur für Grundrechte einen neuen Bericht über ethnische Diskriminierung in Europa durch die Polizei. Dem Bericht zufolge werden Schwarze, Asiaten und Roma häufiger von der Polizei angehalten und kontrolliert. In bestimmten europäischen Ländern ist der Kontrast zwischen der Behandlung von Minderheiten und der allgemeinen Bevölkerung besonders auffällig.
Fast die Hälfte der Menschen afrikanischer Abstammung in Österreich wurde kontrolliert, verglichen mit nur einem Viertel der allgemeinen Bevölkerung. Ein Drittel der Roma in Kroatien und Griechenland wurde kontrolliert, im Vergleich zu weniger als einem Fünftel der allgemeinen Bevölkerung. In Spanien wurden nur 4 % der Bevölkerung von der Polizei kontrolliert, im Vergleich zu 14 % der Zuwanderer, die einer Minderheit angehören.
Die Umfrage umfasste die 27 EU-Mitgliedsstaaten, Großbritannien und Nordmazedonien. Am häufigsten hielt die Polizei junge Männer, Angehörige ethnischer Minderheiten und Muslime an. Die Beamten kontrollierten oder fragten ein Drittel aller Angehörigen ethnischer Minderheiten nach ihren Ausweispapieren, verglichen mit 14 % der allgemeinen Bevölkerung.
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Letzte Woche wurde ein handgeschriebener Brief von Albert Einstein, der seine berühmte Gleichung E=mc2 enthält, für 1,2 Millionen Dollar versteigert. Ein Bostoner Auktionshaus meldete den Verkauf am vergangenen Freitag. Nach Angaben der Archivare des „Einstein Papers Project“ am California Institute of Technology und der Hebräischen Universität Jerusalem sind nur vier Dokumente bekannt, in denen Einstein seine Formel mit eigener Hand niedergeschrieben hat.
Der einseitige Brief in deutscher Sprache ist an den polnisch-amerikanischen Physiker Ludwik Silberstein adressiert und auf den 26. Oktober 1946 datiert. Silberstein bewahrte den Brief bis zu seinem Tod auf. Der Brief an Silberstein ist das einzige der vier Dokumente in einer Privatsammlung. Diese Sammlung wird nun von seinen Nachkommen aufgelöst.
Der Brief wurde erst vor kurzem entdeckt und sollte bei einer Auktion für etwa 400.000 Dollar verkauft werden. Aber wegen seiner Seltenheit war das Interesse groß, und es boten zunächst fünf Sammler für den Brief. Als der Preis etwa 700.000 Dollar erreichte, stiegen drei Bieter aus. Am Ende wurde das Dokument für 1,2 Millionen Dollar verkauft. Die Identität des Käufers ist nicht bekannt.
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Am vergangenen Samstag wurde die italienische Hardrock-Band Måneskin mit ihrem Song „Zitti E Buoni“ Sieger des Eurovision Song Contest 2021. Es war der dritte Sieg Italiens in dem populären Wettbewerb. Den zweiten und dritten Platz belegten Frankreich und die Schweiz mit Balladen in französischer Sprache.
Hardrock und Balladen punkten normalerweise nicht beim Eurovision Song Contest. Aber der Wettbewerb in diesem Jahr war alles andere als normal. Das Hauptthema war die Wiedereröffnung nach der Pandemie. Aber es ging auch darum, sich für neue Ideen und für den Fortschritt zu öffnen. Das Gefühl des Aufbruchs erinnerte an die 1990er Jahre und das Ende des Kalten Krieges.
Auch die Mode auf der Bühne spiegelte dieses Gefühl des Fortschritts wider. Es gab schrille, geschlechtsuntypische Elemente, die Inklusion und Vielfalt repräsentierten. Die russischen und bulgarischen Sängerinnen zwängten sich nicht in elegante Kleider. Stattdessen repräsentierten ihre bequemen Outfits eine neue Ära der Emanzipation und Geschlechteridentität.
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| Jana: | Der Eurovision Song Contest hat mal wieder nicht enttäuscht. Dieses Jahr fand er letzten Samstag, natürlich Corona-konform, in Rotterdam statt, nachdem er letztes Jahr wegen der Pandemie ausgefallen war. Und es war wieder so wunderbar Euro-kitschig, uncool und absolut unhip wie in den vergangenen Jahrzehnten. Ich saß mal wieder mit Popcorn und Galgenhumor vor der Glotze und habe die unfreiwillige Komödie genossen, die man doch trotz allem nicht missen möchte. Wo sonst sieht man Frauen mit Riesenfrisuren, die zum Himmel reichen oder Lieder, die von Christen als Teufelsanbeterei eingestuft werden? Was will man denn sonst noch vom Leben? Die meisten Punkte von Jurys und Zuschauern ergatterte Italien, das vor Frankreich und der Schweiz ins Ziel ging! Das war richtig spannend diesmal! Deutschlands Teilnehmer Jendrik Sigwart aus Hamburg mit dem Lied „I don't feel hate (I just feel sorry)“ ist natürlich wie erwartet mit nur drei Punkten abgeschmiert. Sogar der Norweger, der als Engel verkleidet kam, hat uns weit hinter sich gelassen. Was soll man auch erwarten, wenn der deutsche Beitrag eine Tänzerin hatte, die absichtlich oder unabsichtlich als Stinkefinger verkleidet war. |
| Michael: | Im ursprünglichen Video war es ein Stinkefinger. Für den Auftritt sollte es wohl ein Peace-Zeichen sein, da die Regeln den Stinkefinger nicht erlauben, aber dann kam wohl die Schwerkraft. Ich halte es für Absicht. Wenigstens überschattete das die nervige Stepptanz- und Pfeifeinlage. |
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| Michael: | Der Smart ist in Deutschland bekannt als ein Auto, mit dem man auch in die kleinste Parklücke passt. Er wurde als Zweisitzer konzipiert und ist gerade mal 2,70 Meter lang. Doch jetzt soll das Ende des Winzlings kommen. Mercedes, zu dessen Marken der Smart gehört, will aus dem Auto einen mehr als vier Meter langen SUV machen und die Zweisitzer-Serie auslaufen lassen. „Smart ist nicht mehr clever“, heißt ein Kommentar des „Spiegels“ vom 18. Mai. Der Zweisitzer sei seiner Zeit immer eine Wagenlänge voraus gewesen. Nun hätte die Marke ihren Namen nicht mehr verdient. Denn in einem PKW sitzen im Schnitt nur 1,5 Personen. Die seien in einem kleinen Fahrzeug besser aufgehoben als in einem langen SUV. Gerade in Zeiten, in denen das Auto in den Innenstädten mit dem Fahrrad konkurriere, sei der Smart ein Signal gewesen, dass es auch effizienter geht. |
| Jana: | Schade. Ich finde den Smart als Zweisitzer sehr geeignet für den Stadtverkehr. Warum soll er denn jetzt als SUV weitergeführt werden? |
| Michael: | Das Hauptproblem des kleinen Autos war, dass es zu teuer war. Andere Hersteller hatten für den gleichen Preis ein Modell mit vier Sitzen im Angebot. |
| Jana: | Kleines Auto, hoher Preis. Ja, das passt nicht zusammen. Aber wer einen Smart fährt, dem ist doch das Image und die Praktikabilität des Autos wichtiger als der Preis. |
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