| Jana: | Heute ist Donnerstag, der 16. April 2020. Herzlich willkommen zu unserer wöchentlichen Ausgabe von „News in Slow German“! Hallo liebe Hörer! Hallo Michael! |
| Michael: | Hallo Jana! Hallo zusammen! |
| Jana: | Im ersten Teil unseres Programms werden wir einige Nachrichten besprechen, die in dieser Woche international für Schlagzeilen gesorgt haben. Wir beginnen mit Schwedens lockerer Strategie im Umgang mit dem Coronavirus-Ausbruch. Als nächstes werden wir über ein tödliches Bakterium sprechen, das Olivenbäume zerstört und in Europa einen Schaden von über 20 Milliarden Euro anrichten könnte. Dann diskutieren wir über eine Studie, die zeigt, dass prähistorische Affen vor etwa 35 Millionen Jahren den Atlantik von Afrika nach Südamerika auf einem Floß überquert haben könnten. Und zum Schluss werden wir über die von der tschechischen Regierung erlassene Vorschrift sprechen, dass jeder im Land eine Gesichtsmaske tragen muss; eine Vorschrift, die auch für Nudisten gilt. |
| Michael: | Okay ... Klingt interessant! Und was sind die deutschen Nachrichten der Woche? |
| Jana: | In unserer Rubrik „Trending in Germany“ werden wir die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs in Europa diskutieren. Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus fordert Menschenleben und hat zu menschlichen Tragödien und Ausgangssperren auf der ganzen Welt geführt. Die Europäische Union versucht nun, sich mit dem wirtschaftlichen Schaden auseinanderzusetzen, den diese Lockdowns der europäischen Wirtschaft zugefügt haben. Wir werden auch über die Fernsehserie „Lindenstraße“ sprechen, die mit 35 Jahren die am längsten laufende deutsche Serie im deutschen Fernsehen war und nun wegen rückläufiger Zuschauerzahlen eingestellt wird. In den Anfangsjahren brach diese Kult-Serie viele Tabus. Unter anderem zeigte sie den ersten Kuss zwischen zwei Männern im deutschen Fernsehen. |
| Michael: | Danke, Jana! Los geht's! |
| Jana: | Wir beginnen mit unserer ersten internationalen Story. |
Der Coronavirus-Ausbruch hat die meisten europäischen Länder zu strengen Sperrmaßnahmen veranlasst. Schweden hingegen verfolgt eine andere Strategie. Schweden setzt auf den gesunden Menschenverstand und die Selbstdisziplin seiner Bürger, anstatt strenge Vorschriften zu erlassen. Anders Tegnell, Schwedens führender Epidemiologe und Hauptstratege im Kampf gegen das Virus argumentiert, dass diese „lockeren“ Sperrmaßnahmen langfristig tragfähiger seien.
Schweden hat bisher von allen europäischen Ländern die wenigsten Beschränkungen erlassen. Versammlungen von mehr als 50 Personen sind verboten, Oberschulen und Universitäten sind geschlossen. Die am stärksten gefährdeten Personen wurden aufgefordert, sich selbst zu isolieren. Schulen für kleinere Kinder, Restaurants, Bars und die meisten Unternehmen sind jedoch nach wie vor geöffnet, was dem Land mit einer Bevölkerung von 10 Millionen Menschen ein Gefühl der Normalität vermittelt.
Die schwedische Regierung wird für diese Strategie zunehmend von Wissenschaftlern, Politikern und Mitarbeitern im Gesundheitsbereich kritisiert. Da die Zahl der Todesopfer in Schweden die Schwelle von 1.000 überschritten hat und die Tendenz steigend ist, gibt
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In einer am 13. April 2020 in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie modellierten Forscher das Worst-Case-Szenario für die Auswirkungen des Bakteriums Xylella fastidiosa auf Olivenbäume. Xylella verursacht eine Krankheit, die auch Kirsch-, Mandel- und Pflaumenbäume töten kann und seit ihrer Entdeckung im Jahr 2013 ganze Olivenhaine in Italien vernichtet hat. Seitdem hat der Schädling schätzungsweise 60 % der Olivenernte zerstört.
Xylella gilt als die gefährlichste Pflanzenkrankheit der Welt. Sie hat mittlerweile Spanien, Frankreich und Portugal erreicht und bedroht auch Griechenland. Italien, Spanien und Griechenland produzieren 95 % des europäischen Olivenöls. Die Krankheit wird durch Pflanzensaft saugende Insekten, wie z. B. Speichelwanzen, verbreitet. Der Schädling hindert die Bäume daran, Wasser und Nährstoffe effektiv zu transportieren.
Im schlimmsten Fall könnte Spanien einen Verlust von 17 Milliarden Euro erleiden, Italien von 5 Milliarden Euro und Griechenland von 2 Milliarden Euro. Befallene Bäume müssen verbrannt werden, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Dadurch werden riesige Landstriche zerstört, was auch ein
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Wissenschaftler glauben, dass die ausgestorbenen Ucayalipithecus-Affen vor 35 Millionen Jahren den Atlantik von Afrika nach Südamerika überquert haben. Dies wäre eine etwa 1.400 Kilometer lange Reise gewesen, da der Atlantik damals nicht so breit war wie heute. Es wird davon ausgegangen, dass die Affen ihre Reise auf schwimmenden Inseln gemacht haben könnten, die bei tropischen Stürmen von der Küste Afrikas weggerissen worden waren. Diese Theorie basiert auf Backenzähnen, die bei einer Ausgrabung am Fluss Yuruá im Amazonasgebiet Perus gefunden wurden. Die Untersuchung der fossilen Funde wurde am vergangenen Donnerstag in der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht.
Der Affe namens Ucayalipithecus perdita, was soviel bedeutet wie „verlorener Affe aus Ucayali“, wog etwa 350 Gramm. Seine versteinerten Zähne ähneln stark denen eines prähistorischen Affens namens Parapithecus, der vor 23 bis 56 Millionen Jahren in Nordafrika im heutigen Ägypten sowie in Tansania und Libyen lebte. Die Zähne von Säugetieren, insbesondere die Backenzähne, eignen sich gut zur Identifizierung, da sie sehr artenspezifisch sind. Für Paläoanthropologen sind sie so etwas wie Fingerabdrücke. In der Vergangenheit gab
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Im Zuge des Coronavirus-Ausbruchs in Europa war die Tschechische Republik eines der ersten Länder in Europa, das seine Grenzen abriegelte, nicht essenzielle Geschäfte schloss und große Menschenansammlungen verbot. Infolgedessen scheint die Tschechische Republik mit einer Bevölkerungszahl von 10 Millionen den Ausbruch weitgehend unter Kontrolle zu haben. Derzeit gibt es im Land nur 6.000 Fälle und weniger als 200 Todesfälle. Vor zwei Wochen war die Tschechische Republik auch eines der ersten europäischen Länder, die das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit vorgeschrieben haben.
Am 27. März reagierte die tschechische Polizei auf eine Beschwerde in Lázně Bohdaneč, einer kleinen Stadt östlich von Prag, wo sich Nudisten bei warmem Wetter in einem Park sonnten, ohne Masken zu tragen. Die Polizei forderte die FKK-Anhänger auf, sich zu bedecken. Damit war jedoch nur der Mund und nicht der Körper der Nudisten gemeint. FKK ist an ausgewiesenen Orten erlaubt. Allerdings nicht ohne Maske. Die FKK-Anhänger wurden daran erinnert, im Freien Masken zu tragen und die Regeln gegen das Zusammentreffen in großen Gruppen zu respektieren. Bei einer späteren Kontrolle war etwa die Hälfte der 150 Nudist
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| Jana: | Jetzt richten sich die Augen der Europäer auf die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen, die die Coronavirus-Lockdowns in ganz Europa angerichtet haben. Es ist mittlerweile klar, dass es eine riesige Rezession geben wird, die Stimulus-Pakete in Billionenhöhe benötigen wird, um die europäischen Wirtschaften wieder anzuheizen. Das gilt für alle Wirtschaften in gleichem Maße. Es ist aber auch klar, dass nicht jedes Land in der Lage sein wird, diese enormen Kosten zu schultern. Es ist für Deutschland bereits abzusehen, dass die Kosten für uns weit höher liegen werden als die gigantischen Kosten für die deutsche Wiedervereinigung. In Spanien kamen jetzt Forderungen nach einem europäischen Marshallplan auf. Die Spanier fordern die „europäische Solidarität“ ein, womit sie wahrscheinlich meinen, dass die Deutschen für die Schulden südlicher Länder zahlen sollen. In Italien und Spanien und nun auch Frankreich hört man gerade Forderungen nach sogenannten „Corona-Bonds“ oder einer „Vergemeinschaftung der Schulden“. |
| Michael: | ... was nichts anderes ist als eine Umverteilung der Schuldenlast auf reichere EU-Länder, sprich Deutschland. Die gesamten Vorschläge der Spanier und Italiener laufen unmissverständlich darauf zu, dass praktisch gesehen Deutschland für die europäischen Schulden aufkommt, die die EU-Länder ohne Zweifel‚en masse‘ machen werden. Es wäre ein Milliardenverlust für deutsche Steuerzahler. |
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| Jana: | Jetzt ist es passiert! Und ich spreche nicht über dieses Virus. Meine geliebte „Lindenstraße“ hat ihre letzte Folge , die 1758ste, ausgestrahlt. Du weißt hoffentlich, wovon ich spreche, oder? Die halbstündige Seifenoper, die in München spielte und ihren vielen Zuschauern jeden Sonntag die Geschichten der Menschen in der „Lindenstraße“ erzählte? Und die auch viele alltägliche Probleme mit in diese Geschichten eingewebt hat, wie zum Beispiel den ersten Kuss zwischen zwei Männern im deutschen Fernsehen oder die Aidskrankheit eines Mitbewohners oder auch Anschläge auf muslimische Mitbürger. Einige Schauspieler haben da so lange mitgespielt, dass man sie in der Sendung großwerden sehen konnte. |
| Michael: | Lass dir deshalb doch keine grauen Haare wachsen. So viele Personen können die Sendung ja nicht gesehen haben, wenn sie wegen mangelnder Zuschauerzahlen abgesetzt wurde. |
| Jana: | Also ich bitte dich! Jetzt mach dich mal nicht über meine Lieblingssendung lustig! Ich bin nicht die einzige, die von dieser Entscheidung enttäuscht ist. |
| Michael: | Oh nein! Gibt es einen Fanclub der gebrochenen Herzen? |
| Jana: | Normalerweise würde ich auf solche Anspielungen gar nicht reagieren, aber ich muss mir meinen Ärger von der Seele reden. Und übrigens haben bis zuletzt noch fast drei Millionen Menschen die „Lindenstraße“ angeschaut. |
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