Hitzige Diskussionen um Atomkraft in Deutschland nach EU-Entscheidung
13 January 2022
| Jana: | Pünktlich zum Jahreswechsel hat die EU an Silvester einen richtigen Knaller losgelassen. Sie hat vorgeschlagen, dass Atomkraft und fossiles Erdgas unter gewissen Auflagen von nun an als „grüne Technologien“ eingestuft werden sollen, was einer indirekten Förderung dieser Technologien gleichkommt. Seit Jahren schwelt dieser Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich will mit der CO2-freien Stromerzeugung seiner Atomkraftwerke den Klimawandel bekämpfen. Deutschland benötigt dringend Erdgas, weil es die Atomkraftwerke abschalten will und die Energiegewinnung durch erneuerbare Energien wie Wind und Solar einfach noch nicht ausreicht. |
| Michael: | Die Entscheidung der EU kann hier geradezu als Kompromiss gewertet werden. |
| Jana: | Ja. Die Mehrheit in der EU für die Atomkraft ist überwältigend. Neben Frankreich sind auch Finnland, Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Kroatien, Rumänien und Bulgarien dafür. Gegen die Atomkraft sind Deutschland, Österreich, Luxemburg, Dänemark und Portugal. Österreich will sogar Klage gegen die Entscheidung einlegen. In den Niederlanden, Belgien und den baltischen Ländern haben Überlegungen begonnen, die Atomkraft weiterzuführen. Diese Diskussion hat sogar in Italien wieder angefangen, obwohl das Land nach Tschernobyl aus der Kernkraft ausgestiegen war. Spanien und Irland werden am Rande des Contra-Feldes verortet. Die deutsche Bundesregierung hat die Entscheidung über Gas begrüßt. Die Entscheidung ist nicht endgültig, aber Experten halten sie für gelaufen. Die Partei „Die Grünen“, die Teil der Bundesregierung ist, schäumt vor Wut. Wer hat denn recht hier, was Atomkraft angeht, Michael, die Deutschen oder die Franzosen? |