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Jemandem ein X für ein U vormachen

Phillip: Und wie war dein gestriger Tag? Wolltest du nicht mit einer Freundin zum Italiener essen gehen?
Lisa: Hör bloß auf! Zum Glück habe ich Humor, auch wenn man das nicht von den Deutschen sagt. Es war ein kurzer Abend.
Phillip: Naja, so kann man das ja nun auch nicht sagen. Ich würde es mehr entweder als schwarzen Humor oder ernsteren Humor bezeichnen. Wir Deutsche lieben auch unseren Sarkasmus und wir werden häufig missverstanden. Aber warum war es ein kurzer Abend? Was ist denn passiert?
Lisa: Also ich war mit Maria beim Italiener in der Altstadt verabredet. Ich war pünktlich und wartete vor dem Restaurant und da kam Maria mit so einem Typ daher, der aussah, als ob er in einem Mafiafilm mitspielt. Ich dachte, irgendwo ist die versteckte Kamera.
Phillip: Was meinst du denn damit?
Lisa: Ja, so ein möchtegern italienischer Machotyp, mit offenem Hemd, wo das Brusthaar unter einer Goldkette hervorquillt. Aber mir kannst du da kein X für ein U vormachen. Der konnte ja noch nicht einmal italienisch! Und Maria hat ihn die ganze Zeit angehimmelt!

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Anlügen, anschwindeln, foppen, austricksen, hereinlegen, hineinlegen, irreführen, irreleiten, narren, nasführen, täuschen, unehrlich, unfair, veralbern, vergackeiern, verhohnepipeln, verkohlen, verulken, veräppeln, überlisten, all das bedeutet in der deutschen Sprache jemandem ein X für ein U vormachen.

Bis ins 17. Jahrhundert war die Verwendung der römischen Zahlzeichen weit verbreitet, obwohl die uns vertrauten arabischen Ziffern längst bekannt waren. Ein V war dabei das Zeichen für fünf, ein X stand für zehn. Dass man ein V durch Verlängerung der Linien zu einem X umgestalten kann, nutzten gierige Geschäftsleute zu ihrem Vorteil. Wenn ich also jemandem ein X für ein V vormache, täusche ich ihn ganz einfach dadurch, dass ich die Schenkel des V nach unten etwas verlängere, bis ein X daraus wird. Besondere Bedeutung hatte dies natürlich im Bereich des Rechnungswesens, insbesondere in den Kneipen, in denen der Verzehr des Gastes auf einer Wandtafel mit Kreide notiert wurde. Ein Wirt, der statt der verzehrten Summe V vom Gast die (gefälschte) Summe X verlangte, führte diesen irre. Daher die Bedeutung Täuschung. Viele Wirtsleute, die die Zeche ihrer Gäste mit Kreide an eine Tafel schrieben, wurden oft dieses Betruges bezichtigt.

Sie fragen sich hoffentlich, wieso hier andauernd vom V die Rede ist, wo es doch ein X für ein U vormachen heißt. Das liegt daran, dass die lateinische Schrift nicht zwischen V und U unterschieden hat. Die beiden Buchstaben wurden zwar unterschiedlich gesprochen, aber gleich geschrieben. Der berühmte Kaiser Augustus wurde also AVGVSTVS „gemeißelt“ (Kleinbuchstaben waren damals noch ungebräuchlich).

Jemandem ein X für ein U vormachen ist also eine alte Redewendung und auch in der englischen Sprache findet man ähnliche Weisheiten, wie zum Beispiel: "to pull wool over someone’s eyes" oder "to lead someone up the garden path".

Beispiel 1:

Damit ihr in der Männerdomäne Wirtschaft niemand ein X für ein U vormachen kann, studierte Cornelia Volkswirtschaftslehre in Hamburg und München.
So no one could try to pull wool over her eyes in the male-dominated business domain, Cornelia studied Economics in Hamburg and Munich.

Beispiel 2:

Journalismus ist spannend, denn man muss aufpassen, dass einem niemand ein X für ein U vormacht - also nachhaken, bohren, Mut zu unbequemen Fragen haben.
Journalism is exciting, because you have to be careful that nobody is pulling wool over your eyes- you must investigate, drill, and have the courage to ask the hard questions.