| Sabine: | Im Juni 1995 sind die Menschen in Berlin Zeugen eines außergewöhnlichen Kunstprojekts geworden. Das deutsche Parlament – der Reichstag – wurde zwei Wochen lang komplett mit schimmerndem Stoff verhüllt. Hinter dieser Aktion steckte das Künstlerpaar Christo und Jean-Claude. |
| Michael: | Ich habe den Sinn hinter diesem angeblich so großartigen Kunstprojekt immer noch nicht verstanden. Wenn ich mir Bilder davon ansehe, muss ich immer an eine Baustelle denken. |
| Sabine: | Ganz abwegig ist dein Gedanke nicht. Deutschland hat sich zu diesem Zeitpunkt in einem Umbruch befunden. Die Wende war erst wenige Jahre her und die gerade wiedervereinigte Bundesrepublik musste sich neu sortieren. |
| Michael: | Berlin scheint heutzutage immer noch eine einzige Baustelle zu sein. Aber immerhin ist der Reichstag nicht mehr verhüllt. |
| Sabine: | Die Verhüllung dauerte nur zwei Wochen. Aber das war eine einzigartige Zeit. |
| Michael: | Ich bin skeptisch, ob diese Art der Kunst generell zu einem Gebäude passt, in dem Politik gemacht wird und Geschichte geschrieben wird. |
| Sabine: | Es gab viele Zweifler. Die Planung hat 24 Jahre in Anspruch genommen. Aber schließlich haben Christo und Jean-Claude alle überzeugt und sie für das Projekt gewonnen. |